Letzte Lesung vor den Sommerferien

Meine letzte Schullesung vor den Sommerferien liegt hinter mir, aus „Flaschenpost in Sütterlin“. Und die erste Lesung nach den Ferien wird zufälligerweise ebenfalls aus diesem Kinderroman sein. Ich habe aus dem Buch schon oft gelesen – letzte Woche fand die Lesung vor einer dritten Klasse statt (im Rahmen der Kulturstrolche in Bochum, getragen vom Kultursekretariat NRW Gütersloh und dem NRW KULTURsekretariats, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW). Es war eine ganz intensive Doppelstunde mit den Kindern.

Manche Lehrkräfte in der Grundschule haben Furcht vor der Beschäftigung mit Krieg und Flucht. Doch diese Lesung zeigte erneut, wie die Kinder vermeintlich „schwierige“ Themen – wenn sie kindgerecht erzählt sind – interessieren. Wie sie selbst von eigenen Erlebnissen berichten, wie sie sich „abgeholt“ und ernstgenommen fühlen. Daher bin ich sehr dankbar für diese Begegnungen und freue mich schon auf die nächsten Veranstaltungen.

Foto: Andrea Behnke

Fluchtgeschichten

Auf dem Bild signiere ich meinen Roman „Die Verknöpften“ – nach einer Schullesung aus „Flaschenpost in Sütterlin“ Anfang des Monats. Die Hälfte der Fünftklässlerinnen und Fünftklässler des Essener Gymnaiums, die bei der Lesung waren, hat „Die Verknöpften“ gerade als Schullektüre gelesen. Die beiden Bücher eint: Beide Kinderromane spielen (zumindest zum Teil) in der Zeit des Nationalsozialismus‘, in beiden Geschichten müssen Kinder fliehen. Doch bei den Verknöpften sind es jüdische Kinder: Minna, die mit ihren Eltern versucht, nach Amerika zu fliehen. Und Leon kommt auf den ersten Kindertransport, der Kinder von Bochum nach England in Sicherheit bringt. Sie gehören zu jenen Menschen, die grundlos diskriminiert, verfolgt, vertrieben wurden. Die ihre Heimat verließen, um dem Naziterror zu entkommen. Um zu überleben.

In der „Flaschenpost“ fliehen zwei Mädchen aus Ostpreußen. Weil die Rote Armee einmarschiert – als Folge des brutalen Kriegs, den die Deutschen unter Hitler begonnen haben. Aufgrund des Angriffs der deutschen Soldaten auf Russland. Auch der Vater von Irmgard in dem Buch war Soldat. Der Gegenschlag der russischen Armee trifft die deutsche Zivilbevölkerung (u.a. in Ostpreußen), die zum Teil flieht, zum Teil vertrieben wird. Opfer sind insbesondere Kinder, Frauen sowie alte und kranke Menschen. Ein Gedanke, der in meinem Kopf kreist: Meine Oma ist aus Schlesien geflohen. Sie war Anfang 20. Sie hat nichts getan, um den Nationalsozialismus zu stoppen. Ebenso wie die Mehrheit der Deutschen nichts getan hat – auch in Ostpreußen und Schlesien nicht. Trägt meine Oma Schuld an ihrem Schicksal? Meine Oma war erwachsen.

Anders die Kinder in meinem Buch, sie waren 10 Jahre alt, als sie geflohen sind. Ebenso alt wie Minna und Leon in „Die Verknöpften“. Kinder werden von Kriegen immer unschuldig getroffen. Derzeit sind knapp 37 Millionen Kinder weltweit auf der Flucht. Das ist die höchste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg.

Fotos: AKS / Andrea Behnke

Lektüre erschienen

Belegexemplar-Tag! Gestern trudelten die Exemplare meiner neuen Schullektüre ein: „Wer ist eigentlich Angela Merkel?“ heißt das Buch, das im Klett-Verlag erschienen ist. Es ist Teil einer neuen Reihe, in der es um historische und zeitgenössische Persönlichkeiten aus Deutschland geht.

Die Reihe richtet sich an jugendliche Deutschlernende und junge Menschen, die aus anderen Gründen nicht so gut lesen können. Dass ich über die (noch amtierende) Bundeskanzlerin schreiben durfte, passte besonders gut. Denn als Politikwissenschaftlerin interessiert sie mich natürlich.

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Flaschenpost

„Flaschenpost in Sütterlin“ – so heißt mein neues Kinderbuch, das bei Hase und Igel erschienen ist. Es richtet sich an Kinder ab 9 Jahren und ist gerade auch als Schullektüre gedacht.

In dem Roman findet Evi, die gerade erst an die Ostsee gezogen ist und ihr altes Zuhause vermisst, eine Flaschenpost aus dem Jahr 1947. Darin schreibt Irmgard in Sütterlin an ihre Freundin Elli, die sie auf der Flucht aus Ostpreußen aus den Augen verloren hat. Gemeinsam mit ihren neuen Freunden Lina und Jonathan spürt Evi die Absenderin der Flaschenpost auf. Nach und nach werden die zwei Biografien – Evis und Irmgards – verwoben.

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