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Lesungen für Erwachsene

Lesungen aus „Die Verknöpften“ für Erwachsene? Nachdem ich schon auf dem „Festival der Landsynagogen“ und bei der Ausstellungseröffnung des Fanprojekts Bochum vor Erwachsenen (und wenigen Jugendlichen) gelesen habe, trudelten jetzt noch einmal Anfragen ein – unter anderem für „Lesungen für Groß und Klein“. Doch gekommen waren fast ausschließlich Erwachsene.

Einmal habe ich für die Integrationsagentur ZIVA bei den Aktionswochen Antisemitismus an der Ruhr-Uni gelesen, und einmal im Rahmen „700 Jahre Bochum – 700 Frauen“, als Kooperationsveranstaltung der Volkshochschule und des Referats für Gleichstellung der Stadt Bochum. Zu guter Letzt war ich noch auf der Demokratiekonferenz Bochum, wo ich vor Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Kinder- und Jugendarbeit in Bochum gelesen habe (danke, Kinder- und Jugendring Bochum, für die Einladung).

Und geht das? Ein Kinderbuch vor erwachsenem Publikum zu lesen? Ein großes „Ja“. Alle drei Lesungen haben mir gut gefallen – und den Zuhörenden auch. Denn mein Kinderroman ist zwar für Kinder ab 10, aber ebenso ist es eine Geschichte über den Nationalsozialismus und seine Auswirkungen aus Kindersicht. Genau das fanden viele Frauen und Männer, jüngere und ältere gleichermaßen, spannend. Dieser andere Blick auf die Zeit führe noch deutlicher vor Augen, wie sich der Alltag der Menschen, vor allem der jüdischen Menschen, verändert habe, meinte ein Gast.

Mir haben die Lesungen Freude gemacht. Und ich kann mir gut vorstellen, auch in anderen Kontexten vor Erwachsenen zu lesen.

Foto: Andrea Behnke

 

Literarischer Herbst Lennestadt

Eine knappe Woche war ich im Sauerland: Ich war eine der beiden Autor/innen beim Literarischen Herbst. Für mich bedeutete das: Lesungen in allen Grundschulen in der Region – also acht Lesungen in dritten bzw. vierten Klassen und eine Lesung vor Erwachsenen bei der Eröffnungsveranstaltung im Theater.

Sieht man von den Serpentinen ab, die ich über den Berg fahren musste, hatte ich eine wunderbare Zeit – es waren wirklich schöne Lesungen. Vor allem habe ich mich gefreut, dass ich auch mehrmals aus meinem Buch „Flaschenpost in Sütterlin“ lesen konnte – oftmals trauen sich Schulen nicht, ein Buch über Vertreibung zu wählen. Gerade diese Lesungen waren sehr berührend.

1.000 Dank an die ehrenamtlichen Organisator/innen der „Kirchlichen Öffentlichen Büchereien“ und der Schulen. Die Lesereise hat Spaß gemacht!

Foto: Andrea Behnke

Neuer Ohrenbär

Es gibt einen neuen Ohrenbären von mir! Er ist in der letzten Woche im RBB Kultur und auf NDR Info Spezial gelaufen. Die dreiteilige Geschichte für Kinder heißt „Das Was-schön-war-Buch“, gelesen hat sie Thomas Ahrens, ganz wunderbar.

In der Geschichte geht es um Keno, der noch nicht so richtig in der ersten Klasse gelandet ist. Die Buchstaben und Zahlen in seinem Ranzen wiegen so viel wie Milchtüten. Und seine Kindergartenfreunde sind weit weg – zumindest sind sie nicht auf seiner Grundschule … Da hat Papa die Idee mit dem „Was-schön-war-Buch“. Denn er ist sicher, dass jeden Tag irgendetwas Schönes passiert, und sei es noch so klein.

Tatsächlich scheint das mit diesem Buch auch zu funktionieren, bis zu dem Tag, an dem Kenos kleine Schwester ins Krankenhaus kommt. Kann an so einem Tag irgendetwas schön sein?

Die Geschichte kann man hier online nachhören.

Foto: Andrea Behnke

9. November

Die Reichspogromnacht. Jene unvorstellbare Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, in der Nazis jüdische Geschäfte und jüdische Einrichtungen zerstörten und ausplünderten und in der die Synagogen in Brand gesteckt wurden.

Diese Nacht kommt auch in meinem Kinderroman „Die Verknöpften“ vor. Liselotte kauert hinter dem Vorhang des Stoffgeschäfts ihrer Eltern und bekommt alles mit.

Ein kleiner Auszug aus dem Kapitel:

„… Papa wirkt klein und dünn. Und viel älter als noch am Abend. Tiefe Falten zerfurchen sein Gesicht. Er schiebt sich die Haare, die ihm in die Augen gefallen sind, zurück. Dann legt er dem Mann beruhigend die Hand auf den Arm.

‚Verdammter Jude! Pack mich nicht an!‘, brüllt der Mann los.
Er schiebt Papas Hand weg und spuckt auf den Jackenärmel. So, als wollte er Papas Berührung wegwischen.

Mama zieht Papa zurück. Sie bleibt stumm. Wie die Anziehpuppe, die als schweigende Zeugin in der Ecke steht.“

Wir müssen wachsam bleiben. Auch heute, im Jahr 2021.

Illustration: Inbal Leitner

Buchtrailer

Ich freue mich: Im Sommer ist nämlich mein Kinderroman „Die Verknöpften“ ausgewählt worden für ein Projekt des Friedrich-Bödecker-Kreises im Land Berlin, gefördert durch den Deutschen Literaturfonds im Rahmen von Neustart Kultur.

Unter dem Titel „Wahr – wirklich – echt – Lesen und Schreiben in Echtzeit – Hybride Formate zur Literaturvermittlung“ wurden Teams aus jeweils einer Autorin, einem Autor und einer Künstlerin, einem Künstler gebildet, die gemeinsam kreativ werden sollten.

Glasdrucke digital

So kam ich mit Daniela Melzig (Atelier Transparente Welten) zusammen und war sofort sehr glücklich. Denn die Glasdrucke, mit denen Daniela arbeitet, passen hervorragend zu meinem Buch, finde ich. Ich wollte auf keinen Fall etwas Illustriertes, da Inbal Leitners Zeichnungen so schön sind. Da konnte ich mir keine zweite zeichnerische Ebene für das Buch vorstellen, die schon vorhandenen Bilder sprechen für sich.

Daniela und ich haben immer wieder telefoniert und gemailt – beide unter ziemlichem Veranstaltungs-Zeitdruck … – und haben uns auf das Experiment eingelassen. Sie hatte Ideen für das digitale Kunstelement – ich hatte Ideen. Und herausgekommen ist ein Trailer, der die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg emotional in Bild und Ton setzt. Diesen kleinen Film kann ich dann bald bei Lesungen einsetzen – online und offline. Ich freue mich über dieses Stück Medienkunst für meine Lesungen!

Foto: Andrea Behnke

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