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Autorenpatenschaft

Ich freue mich sehr: Pünktlich zum heutigen Welttag des Buches hat meine Autorenpatenschaft „Wörterwelten“ begonnen. Die Autorenpatenschaft ist Teil des Bundesprogrammes „Kultur macht stark“, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und initiiert vom Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise.

Letzte Woche gab es eine Auftaktlesung: Ich habe sowohl aus „Frieda und das Glück der kleinen Dinge“ als auch aus „Ein Hase will zum Zirkus“ gelesen.

Heute startete die Werkstatt, in der die Kinder selbst aktiv werden und Geschichten erfinden. Ich bin Patin der integrativen OGS am Drusenberg – das ist die gemeinsame OGS der Drusenbergschule (Städtische Grundschule) und der Brüder-Grimm-Schule (Förderschule).

Das Motto der Werkstatt lautet „Klein und Groß im Hier und Dort“. Heute wurden die ersten Familiengeschichten erfunden, es ging um Streit am Abendbrottisch und Urlaub mit Onkel. Außerdem gab es viel Tierisches: Elefanten, Igel, Hunde und Katzen wanderten in das Geschichtenheft.

Am Nachmittag habe ich mein Buch „Clemens aus der Clementine“ vorgestellt, mit dem die Kinder nun noch weiterarbeiten. Clemens fliegt in der Geschichte auf einer Schwalbe in seine Heimat zurück, in den Süden. Die Kinder haben sich ihre eigenen Vögel gebastelt, mit denen sie morgen auf Reisen gehen werden.

Zweite Auflage

Mein Kinderroman „Frieda und das Glück der kleinen Dinge“ geht in die zweite Auflage – nach einem halben Jahr. Das ist kein kleines, sondern ein großes Autorinnenglück.

Denn zweite Auflagen sind bei den vielen Neuerscheinungen heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.Viel zu oft gehen gute Bücher unter.

Noch mehr freut es mich, dass gerade so ein eher leises Buch viele Leserinnen und Leser findet. Danke!

Creativa-Besuch

Manchmal muss man weg vom Schreibtisch und sich inspirieren lassen. Da ich das Malen wieder entdeckt habe und eh gerne mit den Händen etwas mache (abgesehen vom Tippen auf dem Computer …), hatte ich Lust, in diesem Jahr zur Creativa nach Dortmund zu fahren. Schön früh, bevor die Massen die Messehallen stürmen …

So bin ich tatsächlich in aller Ruhe durch die Reihen geschlendert und habe geschaut, was es Neues auf dem Bastelmarkt gibt. Gelohnt hat sich die Fahrt für mich schon nach fünf Minuten: Ich entdeckte nämlich am VBS-Stand einen Workshop in Brandmalerei. Da ich gerade Geschichten auf große Holzbretter male, kam mir das genau recht: Ich wollte es nämlich schon immer mal ausprobieren, mit einer Art Lötkolben zu zeichnen. Also nahm ich das Frühstücksbrettchen und verzierte es mit einer Omi. Sehr zur Verwunderung der netten Workshopleiterin. Die meinte nämlich, dass fast alle Leute zu den Schablonen greifen und gar nicht selbst malen wollen. Schade.

Doch dieses Gefühl beschlich mich die ganze Zeit über: Viele Leute verstehen unter Kreativität scheinbar, so wenig wie möglich selbst zu machen. Also nicht zu zeichnen, sondern auszumalen, nicht selbst zuzuschneiden, sondern etwas zu kaufen, was nur noch zugenäht werden muss. Bastelpackung statt selbst erfinden. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass heutzutage alles perfekt ausschauen muss – gerade bei Deko für die Wohnung. Auch Stände, die fertige (und überhaupt nicht selbstgemachte) Sachen anboten (Schmuck, Schals, Taschen …), waren gut besucht.

Zum Glück gab es auch viele andere Beispiele: Stoffe, Perlen, Papier, Farben – hier fand man sehr viel „Rohmaterial“. Das Thema Bullet-Journaling war ein Trendthema, ebenso verzierte Karten und Notizhefte. Mich haben besonders die vielen Stempelanbieter fasziniert. Es gab Holz- und Gummistempel, wovon ich mir auch ein paar gegönnt habe. Gestempelt wurde auf Papier und Stoff. Besonders schön war es, dass ich ein paar Musterstempel ergattert habe, die bereits „gelebt“ haben. Leider habe ich keine Utensilien zum Stempelschnitzen gefunden – vielleicht habe ich einfach nicht richtig geguckt.

Dafür habe ich jetzt einen Brandmaler. Nachdem meine gemalten Linien bei dem Workshop noch etwas ruckelig waren, heißt es jetzt: Üben. Darauf freue ich mich schon.

Fotos: Andrea Behnke

Ein Bild – 1.000 Worte

Ende letzten Jahres dachte ich, dass ich mal wieder Inspiration brauche. Berufliche Inspiration. Wer mich ein wenig kennt, weiß, dass ich musikalisch öfter Workshops besuche. Beruflich habe ich schon länger kein Seminar mitgemacht.

Wenn man schon lange arbeitet, ist es nicht mehr so einfach, eine Fortbildung zu finden, die einen wirklich weiterbringt. Umso glücklicher war ich, als mir im Programm des Figurentheater-Kollegs, das netterweise in meiner Heimatstadt ist, sofort ein Angebot ins Auge sprang: „Ein Bild – 1.000 Worte“ haben haben Gilbert Meyer und Marie Wacker aus dem Elsass (Frankreich) ihren Kurs genannt. Erzählen mit Bilder, Erzählen mit und für Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, die Sprachprobleme haben oder anderweitig keine Worte finden – das fand ich sofort spannend. Zumal ich im Frühjahr ein Projekt leite, zu dem genau das passt (mehr dazu später).

Und was soll ich sagen? Ich war schon lange nicht mehr so begeistert. Die beiden Dozent/innen (sie kommen aus dem Schauspiel und dem Puppenspiel) haben mich schon am ersten Kurstag in ihren Bann gezogen. Sie waren so auf den Punkt, so wertschätzend, so aufs Detail bedacht, so künstlerisch. Auch die Gruppe war so, dass man sich sofort wohlfühlen konnte – das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich war fünf Tage wie in einer parallelen Welt. Habe Bilder geschnibbelt und geklebt und Geschichten erfunden und erzählt. Mit Erzählkartons und Erzählrollen.

Das Schöne: Jede der elf Teilnehmerinnen hatte ihren ganz eigenen Erzählstil. Auch Gilbert und Marie erzählten: u.a. sehr berührende Geschichten aus dem Krieg. Manchmal verliere ich im Schreiballtag ein wenig das, was mir eigentlich wichtig ist. In der Woche merkte ich wieder genau, warum ich tue, was ich tue. Die Magie der Worte, die Kraft der Geschichten, die Wucht der Bildsprache, all das beflügelte mich sehr. Und ich schrieb mir jeden Tag Ideen für Geschichten auf, das war ein kleiner Nebeneffekt. Inzwischen habe ich mir schon Holzbretter und Holzstifte besorgt …

Die Geschichte, die ich bei der Werkschau präsentiert habe, habe ich mit der Flöte „garniert“, das war sowieso mein Plan für Lesungen in diesem Jahr. Es ist geglückt. Und da schließt sich dann auch der Kreis zu meinem Flötenunterricht und den Musikaktivitäten. Denn auch Musik erzählt Geschichten.

Fotos: Andrea Behnke

Didacta 2019

Braucht man ein Geodreieck zum Abheften? Und braucht man einen Timer, in dem sich bunte Blubberblasen ihren Weg nach unten bahnen? Braucht man ein holographisches Wedelding, um die Konzentration von Kindern zu fördern? Diese Fragen beschäftigten mich gestern auf der Didacta in Köln.

Liest man heute die Medienberichte von der Eröffnung der Messe könnte man glauben, dass es auf der gesamten Didacta nur um virtuelle Wirklichkeiten ging. Dem war aber nicht so. Natürlich konnte man auch in digitale Welten eintauchen: mit der Virtual Reality-Brille auf der Nase oder mit dem Tablet in der Hand. Denn Digitalisierung ist ein wichtiges Branchenthema. Doch so lange nicht die Lehrerinnen und Lehrer entsprechend ausgebildet und Schulen anständig ausgestattet sind, ist und bleibt das Zukunftsmusik. Und digitale Bildung wird immer nur ein Baustein bleiben.

Ausgestanzte Kreativität

Daher gab es für mein Empfinden nach wie vor sehr viel Papier auf der Messe: Schulbücher, Kinderbücher, Handreichungen für Lehrer/innen, Kopiervorlagen, Lernblöcke und, und, und … Zudem fand man reichlich Material, das „Lehrern das Leben leichter macht“ (so ein Slogan). Ob dem wirklich so ist, war eine weitere Frage, die ich mir stellte. Ich bin keine Lehrerin, stecke daher nicht im Schulbetrieb. Aber sind wirklich all die Stempel nötig, all die Utensilien aus Plastik, all die vorgegebenen Dinge?

Wenn ich es mir recht überlege, ging ich überhaupt recht fragend durch die Hallen. Denn was mir ebenfalls aufgefallen ist: Von Didacta zu Didacta gibt es immer mehr Sachen unter dem Siegel „Kreativität“, die die Kreativität in meinen Augen jedoch nicht fördern, sondern einschränken. Nach der letzten Didacta schrieb ich schon über den Sand für drinnen. Dieses Mal sind mir vor allem die vielen „Bastelpackungen“ aufgefallen – vorgestanzte Kronen, Tiere, Blumen … Nur kurz aus der Pappe drücken, und fertig ist der perfekte Dekoartikel für Kita- oder Klassenraum? Filzscheiben, die man nur noch fädeln muss, Ausmalhefte, alles Sachen, die nur einen Weg zulassen und die für „das Perfekte“ stehen.

Wie schön, dass es auch viele Stände mit ganz verschiedenen Stiften und allen möglichen Farben gab. (Ich habe mir auch zwei Packungen mit wasserfesten Wachsmalern gegönnt). Ein Blatt Papier, Farben, eine Schere … und das Kind wird von alleine kreativ, ganz bastelpackungsfrei.

Gekaufte Fundstücke

Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, sind Geschichten: Ich lebe davon, Geschichten zu schreiben. Und ich erfinde mit anderen Geschichten. Daher habe ich mich gefreut, dass mein Ratgeber „Geschichten erfinden mit Kindern“ wieder bei Herder ausgestellt war. Doch was mich – analog zu den Bastelpackungen – gestört hat: Auch das Thema Geschichten erfinden wird buchstäblich in Kisten gepackt. In Geschichtenkisten findet die Pädagogin, der Pädagoge (angeblich) alles, was es für eine Geschichte braucht: Naturmaterialien, Figuren, Gegenstände, die Kulisse … Doch macht es nicht gerade das Erfinden aus, dass ich mich – bestenfalls gemeinsam mit dem Kindern – auf die Suche nach Fundstücken mache? Dass ich vor die Tür gehe und mich inspirieren lasse? Dass ich die Welt mit den Augen der Geschichtenerzählerin oder des Geschichtenerzählers sehe?

Ich habe nichts gegen Hilfsmittel. Ich finde ein Kamishibai zum Beispiel sehr schön. Das gibt einen Rahmen, den man mit eigenen oder fertigen Bildern füllen kann. Aber muss man inzwischen wirklich selbst Fundstücke kaufen? Ja, genau, diese Frage geisterte mir wirklich im Kopf herum: Muss ich wirklich alles kaufen? Mir war ein bisschen nach „Pädagogik mit weniger“, bei dem Anblick der vorgefertigten Kreativität.

Gedankenmacher

Doch es gab auch Sachen, die mich inspiriert haben, die mir gefielen: die Musikinstrumente, die Mini-Ukulelen für Kinder beispielsweise, die Orff-Instrumente, die vielen verschiedenen Cajons, die Trommeltische … Die unbemalten Holzeinrichtungen, die Raum für eigene Gedanken lassen, die Spiele aus aller Welt. Die engagierten Verbände,  Initiativen und politischen Einrichtungen, die sich und ihre Bildungsangebote präsentierten. Sie sind ein guter Gegenpol und regen zum Nachdenken an. Denn gerade das ist Bildung.

Fotos: Andrea Behnke

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