Veränderung

… und wieder habe ich ein Motto entdeckt. Dieses Mal auf einer Hauswand in Rotterdam. Dass es jetzt noch mehr denn je passen würde, habe ich in den Herbstferien nicht geahnt.

motto

Nein, keine Angst: Ich bleibe Autorin und ich bleibe selbstständig. Doch merke ich, dass es einige Stellschrauben gibt, an denen ich im neuen Jahr ein wenig drehen möchte.

Den November hatte ich ja ein bisschen zu meinem Kreativmonat auserkoren. Natürlich funkten hier und da auch andere Aufgaben dazwischen (u.a. eine große Umbruchkorrektur für ein neues Buch), aber ich habe mir tatsächlich immer wieder auch Zeit genommen, an Geschichten und Ideen zu werkeln.

So habe ich einen Bilderbuchtext zu Ende gebracht. Plot, Anfang und Auftrag schlummerten hier bereits – aber Anfang November konnte ich den Text endlich richtig schreiben und an ihm feilen. Mit so viel Schwung habe ich eine weitere Idee in eine Geschichte fließen lassen. Die Idee gärte schon länger, aber es fehlte die Muße. Mal schauen, was ich mit dem Text machen werde.

Dann habe ich zwei Exposés für Hörgeschichten geschrieben. Ein Exposé wird auf jeden Fall umgesetzt, die zweite Idee liegt noch zur Prüfung beim Sender. Zu guter Letzt habe ich noch aus einer Geschichte eine Hörspielfassung gemacht.

Zwischendurch habe ich auch immer wieder nachgedacht. Bzw.: Die Gedanken kamen angeflogen. Wie will ich in Zukunft arbeiten? Was macht mir Freude? Was kann ich besonders? Und auch, weil es in diesem Jahr ein paar Projekte gab, die mir Energie geraubt haben: Was möchte ich nicht mehr?

Hier ist noch nichts entschieden, noch nichts endgültig gedacht. Aber ich merke, dass sich etwas tut. In mir. „Ich muss mich ändern, um dieselbe zu bleiben.“ 2017, du kannst kommen.

Foto: Andrea Behnke

Essener Anthologie

Grenzen – es gibt kaum ein Thema, das Kinder und Jugendliche mehr beschäftigt. Wo liegen meine Grenzen, wo sind die Grenzen der anderen? Wer hat Grenzen überschritten – buchstäblich und auch bildlich gesprochen? Landesgrenzen, Flucht, neue Heimat …

In der neuen – und damit 12. – Essenerdscn0853 Anthologie sind viele Beiträge von unter 20-Jährigen aus dem Ruhrgebiet versammelt, die sich ihre ganz eigenen Gedanken zum Thema Grenzen und Grenzverschiebungen gemacht haben.

Gestern wurde das Projekt, das im Geest-Verlag erschienen ist, in der Essener Volkshochschule vorgestellt. Einige Jugendliche haben ihre Geschichten und Gedichte vorgelesen: Da geht es um Grenzenlosigkeit, um die eine Welt, aber auch um Grenzen im Kopf und darum, wo es sinnvoll ist, eine Grenze zu ziehen. Auch das Zusammenleben, das Bunte, das gerade im Ruhrgebiet dazugehört, spielt eine Rolle.

Ein bisschen stolz bin ich, dass es auch die Geschichte meiner Tochter in die Anthologie geschafft hat. Sie hat eine Erzählung geschrieben über ein Mädchen, das neu in Deutschland ist. Bei der Buchpremiere bekam sie ihr Belegexemplar.

Es lohnt sich wirklich, sich das 350 Seiten starke Buch zu kaufen. Viele Texte regen zum Nachdenken an und zeigen zweierlei: Schreiben ist eine gute Art, sich künstlerisch auszudrücken. Und Jugendliche machen sich weit mehr (kluge) Gedanken, als viele Erwachsene meinen.

Artur Nickel (Hg.)
Von Grenzen und Grenzverschiebungen:
Kinder aus dem Ruhrgebiet erzählen
Geest-Verlag 2016

Foto: Andrea Behnke

Blockflötenreise

Als die Redaktion vom SWR-Spielraum nach Ideen für Zeitreise-Geschichten fragte, war mir klar: Jetzt ist die Zeit reif für eine Idee, die schon länger in mir gärte: eine Blockflötengeschichte. Am 19.11. lief die Geschichte im Radio, wunderbar gelesen von Susanne Schieffer. Hier kann man sie online nachhören.

floeteWer mich ein wenig näher kennt, weiß, dass ich vor anderthalb Jahren unter die „Instrumentenlernerinnen“ gegangen bin. Ich nehme Unterricht in Blockflöte und spiele inzwischen Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassflöte. Die Musik ist etwas, das mein Leben sehr bereichert. Musik hat sehr viel mit dem Erzählen von Geschichten gemein: Auch wenn ich spiele, erzeuge ich Bilder und erzähle.

Besonders mag ich – neben Klezmer und Irish Folk – Stücke aus der Renaissance und dem Frühbarock. Einer der bekanntesten Vertreter dieser Zeit ist Jacob van Eyck, ein blinder Blockflötenspieler und Komponist aus den Niederlanden.

Und hier schließt sich der Kreis zu meiner aktuellen Hörgeschichte: Die Hauptfigur Enie nimmt van Eyck mit in die Neuzeit. In der Geschichte geht es um Musik, um die Liebe zu einem Instrument und auch um Freundschaft und Selbstvertrauen.

Ein kleines bisschen wollte ich mit dieser Geschichte auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass die Blockflöte kein „richtiges Instrument“ ist. Das ist sie nämlich sehr wohl. Nicht nur in der Blockflötenreise.

Foto: Andrea Behnke

Gedicht-Film

schafeWider das Glatte – das war der Titel einer Gedichtwerkstatt der Schule für Dichtung Wien im vergangenen Jahr. Aus Spaß habe ich daran teilgenommen. Über 180 Beiträge wurden geschrieben, Fritz Ostermayer hat sie kommentiert. Und nun haben Studierende der FH Joanneum Graz aus den Gedichten einen Videoclips erstellt. Ausgewählt wurden 23 Gedichte. Ich freue mich, dass mein Gedicht „Richtigstellung“ dabei ist. Es kommt ungefähr ab Minute 2:30. Aber ich empfehle, den gesamten Film zu gucken – denn es lohnt sich. Die Bildsprache und die Poesie ergänzen sich wunderbar. Den Film kann man auch online sehen, und zwar hier.

Foto: Andrea Behnke

Minutengeschichten

Pünktlich zum Vorlesetag, der am 18. November ist, wird es ein neues Buch von mir geben: ein Gutenachtgeschichten-Buch. Das Vorlesebuch, das bei Lingen erscheint, ist für Kinder ab drei Jahren.

minutengeschichten-coverIn dem Buch sind zehn Zwei-Minuten-, sieben Drei-Minuten- und fünf Fünf-Minuten-Geschichten. Also insgesamt 22 Geschichten fürs abendliche Vorlesen.

Als ich angefragt wurde, ob ich das Buch schreiben wollte, sagte ich sofort „Ja“ – im gleichen Verlag ist im vergangenen Jahr mein Vorlesebuch mit Kindergartengeschichten erschienen, das jetzt noch einmal neu aufgelegt wurde.Das Schreiben damals hat Spaß gemacht, ich schreibe gerne Geschichten, auch im Auftrag.

Als ich das Buch plante, dachte ich kurzzeitig: Ui, 22 Geschichten, die abends spielen, das ist eine ganze Menge. Fallen mir da wirklich so viele Themen ein, damit das Buch nicht langweilig wird? Das Buch soll schließlich abwechslungsreich und auch spannend sein.

Letztlich habe ich aufgeschrieben, was mir alles rund ums Einschlafen, ums Dunkelwerden, um die Nacht einfällt. Und das war doch etliches: So gibt es Geschichten rund ums Nicht-schlafen-können, um Schnuller, um Urlaubsfahrten mit Pipiproblemen, um schlafende Fische und wache Kröten und um Fledermäuse, um wandernde Hamster, um eine Nacht in der Backstube, um Hochhauspiraten und Freundinnenhöhlen, um Monster und Gespenster … Und vieles mehr.

Wie schon die „Geschichten aus dem Kindergarten“ ist auch dieses Buch von der Stiftung Lesen unterstützt worden und trägt das Siegel.

Erhältlich sind die Minutengeschichten und die Kindergartengeschichten ab 17. November bei Aldi-Süd.

Andrea Behnke / Zeichnungen Susanne Errenst
Zur guten Nacht – Minutengeschichten
Lingen, 2016

Foto: Andrea Behnke

Schreibnovember

Herzanhänger

Viele Schreibbegeisterte – Hobbyschreibende und Profis – nutzen den November, um frei zu schreiben. Weit über 300.000 Schreiberinnen und Schreiber machen jährlich beim NaNoWriMo mit und versuchen, 50.000 Worte zu Papier zu bringen.

Kurz hatte ich überlegt, ob ich bei diesem Schreibmarathon, der den inneren Zensor ausschalten soll, mitmache. Doch: Dieses Event passt nicht zu mir. Passt nicht zu meiner Art zu schreiben. Passt nicht zu meinen Ideen. Doch hindert mich das daran, den November für meine ganz eigenen Projekte zu nutzen? Nein!

Also werde ich mir jetzt im November die Zeit nehmen, um meine Ideen, die hier halbfertig liegen, zu vollenden. Denn als Autorin lebt man von Ideen. Doch der Schreiballtag frisst oft die Herzensprojekte auf, ehe man sie wirklich angepackt hat. Daher muss man Herzensprojekten einen Platz zuweisen.

Mein Ziel: Ich möchte jeden Tag – neben einigen wunderbaren Geschichten, die ich schreiben muss und darf – an meinen eigenen Ideen arbeiten. Endlich. Und ich werde das nicht wieder aufschieben, wie so oft. Das verspreche ich euch – und vor allem mir.

Foto: Andrea Behnke

Buchmesse 2016

Oktober ist Buchmessen-Zeit. Ich mag die Frankfurter Buchmesse, sie ist seit Jahren ein Pflichttermin in meinem Kalender. Gestern war ich dort und habe Lektorinnen und Redakteurinnen und Kollegen und Kolleginnen getroffen. Das war wieder einmal sehr schön.

buechermasseNatürlich bin ich auch ein wenig durch die Hallen geschlendert, um zu gucken, wohin die Branche sich entwickelt. Gerne tummele ich mich immer in der Halle mit den Kinder- und Jugendbüchern, in der mit den Bildungsverlagen und in der Literatur-Halle, in der auch viele unabhängige Verlage ausstellen.

Die Kinderbuch-Halle habe ich in diesem Jahr unsortiert empfunden. Auch waren nicht alle Kinderbuchverlage in der Kinderbuchhalle, weil manche größeren Verlage sich entschieden haben, den Verlag an nur einer Stelle zu präsentieren – mit dem gesamten Programm. So hatte ich das Gefühl, dass die Fläche der Kinder- und Jugendbücher dieses Mal kleiner war. Worüber ich mich freue, ist, dass auch kleine Verlage einen Stand haben – und dass es in der heutigen Zeit überhaupt noch Buchbegeisterte gibt, die einen neuen Verlag gründen.

krokodil-buchmesseDaher gehe ich auch sehr gerne in die Halle mit den Indie-Verlagen: Dort entdeckt man viele Schätze. Besonders gefallen hat mir der Gemeinschaftsstand von „The Pioneer Papers“. Unter diesem Namen stellten sich zahlreiche Literatur- und Essayzeitschriften vor, wie Edit oder Block. Das Krokodil auf der Bühne am Stand zeigte buchstäblich Zähne.

Auffallend war das große Angebot für Selfpublisher: Viele Dienstleister zeigten ihr Angebot. Dass auf der Buchmesse auch jedes Jahr aufs neue Druckkostenzuschussverlage zu finden sind, ist schade …

Fotos: Andrea Behnke