Ruheforst am Meer

Ein Friedhof. Grab an Grab, Steine mit eingravierten Namen. In Marmor eingekantelte Beete, bepflanzt mit Heidekraut und Stiefmütterchen. Ein Friedhof ist für mich nicht nur ein lebloser Ort, sondern auch einer, den ich nicht mit den Menschen verbinde, die dort liegen.

Meerblick2Auf einer Radtour an der Ostsee fahre ich durch Zufall durch einen Ruheforst, zwischen Brodau und Bliesdorf, direkt an der Lübecker Bucht. „Unter den Wipfeln ist Ruh“ steht auf einem Schild. Was für ein wunderbarer Ort für das, was man letzte Ruhe nennt. Ein Wald direkt an der Steilküste!

Ich bleibe stehe und schaue nach oben in die Baumkronen. Die Sonne scheint durch das Laub, unten ist es angenehm kühl. Es riecht frisch. Mein Blick fällt aufs Meer, das glitzert. Am Strand gehen ein Mann und eine Frau mit einem Baby im Tragetuch spazieren. Ein Hund schwimmt im Wasser und kommt mit ein paar Algen im Mund heraus. Möwen kreisen über dem Sand. Wer weiß, vielleicht sind es die Seelen der Toten. Es gibt schlechtere Wiedergeburten, denke ich, und wundere mich gleichzeitig über meine Gedanken.

Es weht ein kräftiger Wind. Ich bilde mir ein, dass er mir Geschichten all der Menschen erzählt, die hier irgendwo unter dem Moos begraben sind. Es ist ein Ort, an dem es den Menschen zu Lebzeiten gut ging. Ein Ort, mit dem sie etwas vereint. Vielleicht auch schöne Urlaube – oder gar Heimat?

Die meisten Menschen, die hier durch den Friedwald fahren oder gehen, sind ruhig. So wie es auf dem Schild angemahnt wird. Manchmal hört man ein Kinderlachen oder -johlen. Das muss so sein, finde ich. Das ist der Kreislauf des Lebens.

Ich fahre weiter, raus aus dem Friedwald, weiter auf dem Steilküstenweg Richtung Grömitz. Hinein ins pralle Urlaubsleben. Ein kurzer Blick zurück auf die etwas andere Ruhestätte, die mir gefallen könnte.

Doch jetzt hoffe ich erst einmal, noch viele Radtouren am Meer entlang machen zu können. Einige Menschen um mich herum haben schwere Krankheiten oder haben sie gerade besiegt. Andere, aus meinem weiteren Umfeld, haben den Kampf verloren. Daher bin ich sehr dankbar, nur Besucherin des Friedwalds gewesen zu sein.

Fotos: Andrea Behnke

Mein neues Motto

Gefunden in einem kleinen Strandcafé irgendwo an der Ostsee: mein neues Motto. Vielleicht sollte ich noch verraten, dass das Lokal „Seeräubernest“ heißt.

Tellerspruch

Foto: Andrea Behnke

Kreativität auf Knopfdruck?

Viele sagen: Du hast einen tollen Beruf. Du darfst Geschichten schreiben. Ja, ich habe es gut. Ich darf Geschichten schreiben. Manchmal heißt das aber auch: Ich muss Geschichten schreiben.

Foto: Andrea Behnke
Foto: Andrea Behnke

Meine Arbeit teilt sich in zwei Bereiche: in einen größeren – das sind meine Auftragsarbeiten. Da schreibe ich nicht nur Geschichten, sondern auch Sachtexte, Journalistisches, Unterrichtsmaterialien. Aber ich schreibe eben auch Geschichten im Auftrag: Oft gibt es dann eine Rahmenhandlung, eine Hauptfigur oder manchmal auch nur ein (Ober-)Thema. Gerade habe ich am Stück für ein neues Buch 22 Geschichten erfunden.

Der kleinere Bereich sind meine freien Arbeiten. Das sind Geschichten, die ganz aus mir selbst herauskommen – und die ich, wenn den Nerv treffe, auch verkaufe. Dieser auftragsfreie Bereich ist oft sehr klein, was einerseits gut ist: Denn das zeigt, dass der Schreibladen brummt.

Andererseits finde ich das auch manchmal schade und fiebere Zeiten entgegen, in denen ich etwas mehr Luft habe. Freiheit für Eigenes. Und dann? Nichts dann. Mein Computer gleicht einem Emmentaler Käse.  Löcher in den Bildschirm gestarrt. Kreativität auf Knopfdruck? Ja, gerne – aber wo ist der Knopf?

Kreativität braucht Raum

Diese Woche hätte ich ein paar kreative Tage, nachdem ich mich in der letzten Zeit ziemlich leergeschrieben habe. Bald werden mir aber die Buchumbrüche und andere Aufträge wieder vor die Füße fallen, das weiß ich schon. Die Ideen müssen also bald aus meinem Hirn purzeln, sonst ist ihre Zeit schon wieder um.

Und genau das funktioniert oft nicht, merke ich. Kreativität braucht Raum. Freiraum.

Natürlich kenne ich alle möglichen Kreativitätstechniken. Doch selbst die versagen manchmal in der Zeit zwischen dem Stress. Müdigkeit, der Druck, genau jetzt „ausspucken“ zu müssen, und im Moment tatsächlich auch das fehlende Sonnenlicht … all das ist nicht kreativitätsfördernd.

Und was hilft? Den Druck rauszunehmen. Was anderes Kreatives zu tun. Seit ich ein Instrument lerne, ist die Musik für mich Kreativtätsförderung. Oder ein Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. Da fliegen mich manchmal kreative Gedanken an. Und wenn ich die Idee habe, kommt das Schreiben meistens von selbst.

Ja, ich habe einen tollen Beruf. Denn ich darf Geschichten schreiben. Nur wie am Fließband geht das nicht immer. Und jetzt gehe ich Flöte üben.

Medien und AfD

Schon seit geraumer Zeit frage ich mich: Wie sollten Medien mit der AfD umgehen? Vorab: Eine Antwort habe ich nicht. Doch ich habe ein paar Gedanken dazu.

AugeIch bin der Meinung, dass man die AfD nicht totschweigen kann und darf. Davon würde sie nicht verschwinden. Doch wie viel Plattform sollte man ihr geben? Da sind die einen, die meinen: Die AfD entlarvt sich bei jedem TV-Auftritt selbst, in jedem Interview, das irgendwo gedruckt wird, zeigt sie ihr wahres Gesicht. Das mag sein. Doch gilt das wahrscheinlich nur für jenes Publikum oder jene Leserschaft, die die AfD sowieso nicht wählen würde. Diese Menschen tauschen sich dann via Social Media aus und empören sich. Doch verlässt man dann seine eigene Filterblase und gibt einfach mal den Hashtag einer Sendung mit AfD-Beteiligung ein, trifft man ebenso auf jene, die applaudieren.

Zwei Gefahren sehe ich: Es ist mittlerweile so, dass der AfD eine Art Expertenstatus bei Fragen rund um Flüchtlinge und Integration zugesprochen wird. Denn keine TV-Talkshow zu diesen Themen ohne AfD-Beteiligung. Zu anderen Themen hingegen sieht und hört man die Partei nur selten. Somit wirkt es so, dass man an dieser Partei mit ihren entsetzlichen Parolen zum Thema Flucht nicht vorbeikommt. Ist dieser Eindruck von den Fernsehmacherinnen und -machern einkalkuliert oder gar gewünscht?

Und dann: Jeder Satz, den ein AfD-Funktionär fallenlässt, wird sofort von allen großen Medien aufgenommen. Auch hier wieder: Die Medaille hat zwei Seiten. Zum einen jene, dass es wichtig ist, diese oft rassistischen Aussagen öffentlich zu machen. Zum anderen habe ich jedoch das Gefühl, dass genau das zum Programm dieser Partei gehört. Sie baut darauf, durch Provokationen, durch Ausfälle Öffentlichkeit zu bekommen. Das ist fast schon eine Art Pressearbeit. Nach dem Mediensturm rudert man zurück: Da ist dann halt  der Finger von der Maus gerutscht. Oder als Nicht-Fußballerkenner kann man doch gar nichts über Boateng gesagt haben. Was gewiss ist: Die AfD hat so wieder Sendeminuten und Aufmerksamkeit gewonnen.

Das Thema ist und bleibt ein schwieriges. Wir müssen ein Auge darauf haben. Was meint ihr: Sind es die Medien, die diese Partei wachsen lassen?

Buch für Deutschlernende

„So einfach funktioniert Deutschland“ heißt eine neue Reihe, die der Bildungsverlag Eins herausgibt. Sie richtet sich vor allem an internationale Vorbereitungsklassen, eignet sich aber auch für andere Deutschkurse.

So-einfach-CoverDer erste Band ist Anfang des Jahres erschienen (geschrieben von Günter Hempel). Den zweiten Band durfte ich schreiben: Das Buch zu Leben und Alltag ist soeben erschienen.

38 Themen habe ich recherchiert und in einfacher Sprache aufbereitet: Themen rund um Bildung, Behörden,  Gesundheit, Einkaufen, Wohnen, Freizeit, Verkehr, Rechte und Pflichten und vieles mehr. Dabei habe ich selbst noch viel gelernt und gemerkt, wie viel auf Menschen, die neu in unserem Land sind, einprasselt.

Mehr zu dem Titel gibt es hier – samt Probeseiten.

Lissa

Darf ich vorstellen: Lissa, die Fuchshexe. Sie tanzt in einem Buch herum, das ich schreiben durfte.

hexe-lissa_zaubertrank_titelFür den Kinder-Medienverlag arbeite ich schon lange. Bisher habe ich immer Ausmal-Comics konzipiert und geschrieben: zu Themen wie Flucht, Diabetes oder Wald zum Beispiel.

Jetzt kam der Verlag mit einer neuen Idee auf mich zu: Ein Illustrator hat dem Verlagsleiter ein Bilderbuch geschickt, mit tollen Zeichnungen und einer Geschichtenidee, die der Verlag gerne realisieren würde. Einzig: Der Text müsse ganz neu geschrieben werden.

Also habe ich zu den Bildern von Johannes Karpp und seinen Einfällen getextet. Das war für mich eine neue Erfahrung, denn normalerweise zeichnen Illustratorinnen und Illustratoren zu meinen Texten. Dieses Mal war es andersherum – und es hat großen Spaß gemacht.

Herausgekommen ist ein Buch über Zauberei und den Zauber der Freundschaft. Hier kann man sich ein paar Seiten von „Lissa. Der geheimnisvolle Zaubertrank“ anschauen. Es ist übrigens meine erste Hexengeschichte – Lissa hat mich be- und verzaubert. Weitere Bände sollen folgen.