Creativa-Besuch

Manchmal muss man weg vom Schreibtisch und sich inspirieren lassen. Da ich das Malen wieder entdeckt habe und eh gerne mit den Händen etwas mache (abgesehen vom Tippen auf dem Computer …), hatte ich Lust, in diesem Jahr zur Creativa nach Dortmund zu fahren. Schön früh, bevor die Massen die Messehallen stürmen …

So bin ich tatsächlich in aller Ruhe durch die Reihen geschlendert und habe geschaut, was es Neues auf dem Bastelmarkt gibt. Gelohnt hat sich die Fahrt für mich schon nach fünf Minuten: Ich entdeckte nämlich am VBS-Stand einen Workshop in Brandmalerei. Da ich gerade Geschichten auf große Holzbretter male, kam mir das genau recht: Ich wollte es nämlich schon immer mal ausprobieren, mit einer Art Lötkolben zu zeichnen. Also nahm ich das Frühstücksbrettchen und verzierte es mit einer Omi. Sehr zur Verwunderung der netten Workshopleiterin. Die meinte nämlich, dass fast alle Leute zu den Schablonen greifen und gar nicht selbst malen wollen. Schade.

Doch dieses Gefühl beschlich mich die ganze Zeit über: Viele Leute verstehen unter Kreativität scheinbar, so wenig wie möglich selbst zu machen. Also nicht zu zeichnen, sondern auszumalen, nicht selbst zuzuschneiden, sondern etwas zu kaufen, was nur noch zugenäht werden muss. Bastelpackung statt selbst erfinden. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass heutzutage alles perfekt ausschauen muss – gerade bei Deko für die Wohnung. Auch Stände, die fertige (und überhaupt nicht selbstgemachte) Sachen anboten (Schmuck, Schals, Taschen …), waren gut besucht.

Zum Glück gab es auch viele andere Beispiele: Stoffe, Perlen, Papier, Farben – hier fand man sehr viel „Rohmaterial“. Das Thema Bullet-Journaling war ein Trendthema, ebenso verzierte Karten und Notizhefte. Mich haben besonders die vielen Stempelanbieter fasziniert. Es gab Holz- und Gummistempel, wovon ich mir auch ein paar gegönnt habe. Gestempelt wurde auf Papier und Stoff. Besonders schön war es, dass ich ein paar Musterstempel ergattert habe, die bereits „gelebt“ haben. Leider habe ich keine Utensilien zum Stempelschnitzen gefunden – vielleicht habe ich einfach nicht richtig geguckt.

Dafür habe ich jetzt einen Brandmaler. Nachdem meine gemalten Linien bei dem Workshop noch etwas ruckelig waren, heißt es jetzt: Üben. Darauf freue ich mich schon.

Fotos: Andrea Behnke

Didacta 2019

Braucht man ein Geodreieck zum Abheften? Und braucht man einen Timer, in dem sich bunte Blubberblasen ihren Weg nach unten bahnen? Braucht man ein holographisches Wedelding, um die Konzentration von Kindern zu fördern? Diese Fragen beschäftigten mich gestern auf der Didacta in Köln.

Liest man heute die Medienberichte von der Eröffnung der Messe könnte man glauben, dass es auf der gesamten Didacta nur um virtuelle Wirklichkeiten ging. Dem war aber nicht so. Natürlich konnte man auch in digitale Welten eintauchen: mit der Virtual Reality-Brille auf der Nase oder mit dem Tablet in der Hand. Denn Digitalisierung ist ein wichtiges Branchenthema. Doch so lange nicht die Lehrerinnen und Lehrer entsprechend ausgebildet und Schulen anständig ausgestattet sind, ist und bleibt das Zukunftsmusik. Und digitale Bildung wird immer nur ein Baustein bleiben.

Ausgestanzte Kreativität

Daher gab es für mein Empfinden nach wie vor sehr viel Papier auf der Messe: Schulbücher, Kinderbücher, Handreichungen für Lehrer/innen, Kopiervorlagen, Lernblöcke und, und, und … Zudem fand man reichlich Material, das „Lehrern das Leben leichter macht“ (so ein Slogan). Ob dem wirklich so ist, war eine weitere Frage, die ich mir stellte. Ich bin keine Lehrerin, stecke daher nicht im Schulbetrieb. Aber sind wirklich all die Stempel nötig, all die Utensilien aus Plastik, all die vorgegebenen Dinge?

Wenn ich es mir recht überlege, ging ich überhaupt recht fragend durch die Hallen. Denn was mir ebenfalls aufgefallen ist: Von Didacta zu Didacta gibt es immer mehr Sachen unter dem Siegel „Kreativität“, die die Kreativität in meinen Augen jedoch nicht fördern, sondern einschränken. Nach der letzten Didacta schrieb ich schon über den Sand für drinnen. Dieses Mal sind mir vor allem die vielen „Bastelpackungen“ aufgefallen – vorgestanzte Kronen, Tiere, Blumen … Nur kurz aus der Pappe drücken, und fertig ist der perfekte Dekoartikel für Kita- oder Klassenraum? Filzscheiben, die man nur noch fädeln muss, Ausmalhefte, alles Sachen, die nur einen Weg zulassen und die für „das Perfekte“ stehen.

Wie schön, dass es auch viele Stände mit ganz verschiedenen Stiften und allen möglichen Farben gab. (Ich habe mir auch zwei Packungen mit wasserfesten Wachsmalern gegönnt). Ein Blatt Papier, Farben, eine Schere … und das Kind wird von alleine kreativ, ganz bastelpackungsfrei.

Gekaufte Fundstücke

Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, sind Geschichten: Ich lebe davon, Geschichten zu schreiben. Und ich erfinde mit anderen Geschichten. Daher habe ich mich gefreut, dass mein Ratgeber „Geschichten erfinden mit Kindern“ wieder bei Herder ausgestellt war. Doch was mich – analog zu den Bastelpackungen – gestört hat: Auch das Thema Geschichten erfinden wird buchstäblich in Kisten gepackt. In Geschichtenkisten findet die Pädagogin, der Pädagoge (angeblich) alles, was es für eine Geschichte braucht: Naturmaterialien, Figuren, Gegenstände, die Kulisse … Doch macht es nicht gerade das Erfinden aus, dass ich mich – bestenfalls gemeinsam mit dem Kindern – auf die Suche nach Fundstücken mache? Dass ich vor die Tür gehe und mich inspirieren lasse? Dass ich die Welt mit den Augen der Geschichtenerzählerin oder des Geschichtenerzählers sehe?

Ich habe nichts gegen Hilfsmittel. Ich finde ein Kamishibai zum Beispiel sehr schön. Das gibt einen Rahmen, den man mit eigenen oder fertigen Bildern füllen kann. Aber muss man inzwischen wirklich selbst Fundstücke kaufen? Ja, genau, diese Frage geisterte mir wirklich im Kopf herum: Muss ich wirklich alles kaufen? Mir war ein bisschen nach „Pädagogik mit weniger“, bei dem Anblick der vorgefertigten Kreativität.

Gedankenmacher

Doch es gab auch Sachen, die mich inspiriert haben, die mir gefielen: die Musikinstrumente, die Mini-Ukulelen für Kinder beispielsweise, die Orff-Instrumente, die vielen verschiedenen Cajons, die Trommeltische … Die unbemalten Holzeinrichtungen, die Raum für eigene Gedanken lassen, die Spiele aus aller Welt. Die engagierten Verbände,  Initiativen und politischen Einrichtungen, die sich und ihre Bildungsangebote präsentierten. Sie sind ein guter Gegenpol und regen zum Nachdenken an. Denn gerade das ist Bildung.

Fotos: Andrea Behnke

Didacta 2018

Zwei Jahre habe ich pausiert – gestern war ich mal wieder auf der Didacta, der Bildungsmesse, die in diesem Jahr in Hannover stattfindet. Getroffen habe ich: nette Verlagsmenschen, einige meiner Bücher und viele Hackenporsche und Hartschalenkoffer.

Für die drei netten Gespräche, die ich hatte, hat sich die Fahrt gelohnt. Schön ist es auch immer, die eigenen Werke an einem Stand zu entdecken: Der Herder-Verlag hat zwei meiner Bücher platziert. Und der Bildungsverlag Eins zeigt die Reihe „So einfach funktioniert Deutschland“. Die wird es übrigens bald in vollständig aktualisierter Neuauflage geben. Weiterlesen >>>

Was mit den Händen …

Bei vielen Kolleginnen und Freundinnen beobachte ich, dass sie wieder „mehr mit den Händen“ machen. Papier falten, Nähen, Stricken, Häkeln, Lettering, Zeichnen, Schmuck herstellen: Immer mehr nutzen ihre freie Zeit kreativ – oder nehmen sich Zeit, um kreativ zu sein. Bei manchen entsteht sogar ein Geschäft daraus.

Foto: Andrea Behnke
Foto: Andrea Behnke

Hand-Arbeit, im wahrsten Sinne des Wortes, gehört für mich schon immer dazu. Meine Mutter hat mir sehr früh häkeln und stricken beigebracht. Mit 12 klapperte ich unter dem Schulpult mit den Nadeln und hatte einen „Strickclub“ mit Freundinnen. Ich strickte Norwegerpullis und komplizierte Muster. Später ruhten die Nadeln ein wenig, statt dessen zeichnete ich, modellierte, fädelte, nähte, filzte. Vor einiger Zeit habe ich die Häkel- und Stricknadeln wieder hervorgekramt und baue seitdem meinen Wollberg ab, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Weiterlesen >>>

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