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Wie Dramen entstehen

Donnerstag, 19. April 2012

Manchmal habe ich eine richtige Vorfreude, wenn ein Buch erscheinen soll. “Wie Dramen entstehen” ist so ein Buch, dessen Veröffentlichung ich kaum erwarten konnte.

Das hat mehrere Gründe: Ich finde die Serie “Ästhetik des Schreibens” aus dem Luchterhand-Verlag ohnehin lesenswert. Die Vorläuferbände “Wie Romane entstehen” und “Wie Gedichte entstehen” fand ich sehr spannend. Dann wollte ich gerne einen Blick in John von Düffels Schreibzimmer werfen – ich mag seine Theaterstücke und auch seine Romane. Zu guter Letzt gibt es bisher wenige Schreibbücher, die sich ganz konkret mit dem Szenischen Schreiben beschäftigen.

Das Besondere an der Luchterhand-Reihe ist, dass jedes Schreib-Genre von zwei Seiten aus betrachtet wird: Den ersten Teil schreibt ein Autor – hier eben John von Düffel -, den zweiten der Lektor und Professor Klaus Siblewski.

Das Buch ist ein Wälzer: Knapp 290 Seiten warten auf Schreib- und Theaterinteressierte. Ich mag das Buch nicht Ratgeber nennen, denn es ist keine “Rezept-Sammlung”, sondern verlangt von den Leserinnen und Lesern, sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wer sich die Zeit nimmt und sich auch auf die bisweilen nicht unbedingt eingängige Sprache von Düffels einlässt, wird belohnt: Stückeschreiberinnen und -schreiber erfahren nicht nur, wie sie Figuren, Szenen und Dialoge entwickeln können, sondern bekommen einen offenen und ungeschönten Blick hinter die Kulissen.

Im Vordergrund steht dabei immer wieder: Die Arbeit an Dramen ist eine völlig andere als die an anderen belletristischen Texten. Klaus Siblewski und John von Düffel nehmen die Lesenden daher auch mit zu Inszenierungen und auf Premierenfeiern, nachdem der Autor sein Stück im wahrsten Sinne des Wortes erlebt hat. Angereichert mit vielen Beispielen aus der aktuellen Theatergeschichte, bekommen die Leserinnen und Leser einen tiefen Einblick in das dramatische Schreiben – und die Dramen beim Schreiben.

Wer Übungen sucht, wird in diesem Buch nicht fündig. Doch bieten die Einblicke in die Praxis von Autor / Dramaturg und Lektor mehr Lerneffekte, als es manch ein herkömmlicher Schreibratgeber schafft.

Apropos: Der Verlag preist das Buch als “das erste seiner Art nach Gustav Freytags legendärem Buch vor knapp eineinhalb Jahrhunderten” an (Gustav Freytag hat das Grundlagenwerk “Die Technik des Dramas” geschrieben). Doch reihen sich durchaus noch ein paar weitere Bücher neben die  neue Veröffentlichung: R.A. Halls “Mein erstes Stück”, Lajos Egri “Dramatisches Schreiben”, Teile von Otto Schumanns “Grundlagen und Techniken des Schreibens” oder Alan Ayckbournes “Theaterhandwerk: 101 selbstverständliche Regeln zum Schreiben und Inszenieren”.

Dennoch: Die Neuerscheinung “Wie Dramen entstehen” ist eine Bereicherung für den Schreibtisch von Stückeschreiberinnen und -schreibern – sie ist am Puls der (Theater-)Zeit.