Was mit den Händen …

Bei vielen Kolleginnen und Freundinnen beobachte ich, dass sie wieder „mehr mit den Händen“ machen. Papier falten, Nähen, Stricken, Häkeln, Lettering, Zeichnen, Schmuck herstellen: Immer mehr nutzen ihre freie Zeit kreativ – oder nehmen sich Zeit, um kreativ zu sein. Bei manchen entsteht sogar ein Geschäft daraus.

Foto: Andrea Behnke
Foto: Andrea Behnke

Hand-Arbeit, im wahrsten Sinne des Wortes, gehört für mich schon immer dazu. Meine Mutter hat mir sehr früh häkeln und stricken beigebracht. Mit 12 klapperte ich unter dem Schulpult mit den Nadeln und hatte einen „Strickclub“ mit Freundinnen. Ich strickte Norwegerpullis und komplizierte Muster. Später ruhten die Nadeln ein wenig, statt dessen zeichnete ich, modellierte, fädelte, nähte, filzte. Vor einiger Zeit habe ich die Häkel- und Stricknadeln wieder hervorgekramt und baue seitdem meinen Wollberg ab, der sich im Laufe der Zeit angesammelt hat.

Heute war ich auf der Creativa in Dortmund, um zu gucken, was es an neuen Trends gibt. Mein Eindruck: Die neuen Trends sind die alten Trends. Perlen scheinen zeitlos zu sein, Patchwork ist angesagt und Nähen sowieso. Wer Stoff sucht, wird auf der Kreativ-Messe sicher fündig. Darüber hinaus gab es viele Stände mit Stempeln und Utensilien für Papierbasteleien und Scrapbooking. Darüber hinaus füllten die Online-Bastel-Shops große Flächen.

Was mich erneut störte, waren die Stände mit Backformen, Schmuck, Seidentüchern, Taschen oder Klamotten – allesamt nicht handgemacht. Da scheint man immer Umsatz mit den nahezu allesamt weiblichen Messebesuchern zu wittern. Wahrscheinlich funktioniert das sogar. Denn an einem Stand mit Filztaschen gab es die dazugehörigen Bastelpackungen. Eine Frau hinter mir meinte erbost: „Soll ich die Taschen etwa selbst machen?“

Ein schöner Ausgleich war da zum Beispiel der große Bereich, auf dem sich das Textile Handwerk präsentierte. Da ratterten die Spinnräder, es wurde gewebt und geklöppelt.

Mich hat besonders die Wolle interessiert – da ich leider eine Schafwollallergie habe, fielen viele außergewöhnliche Wollen für mich flach. Bändchengarn scheint im Kommen zu sein, doch offen gestanden, war ich noch nie ein Fan von diesem oft glänzenden Garn. Spannend fand ich, woraus es auch Wolle gibt: zum Beispiel aus Jute. Ich fand das Garn optisch hübsch, aber ein wenig hart. An einem anderen Stand gab es recycelte Wolle, aus Baumwollkleidung. Daraus kann man in erster Linie mit ganz dicken Nadeln Sitzkissen oder Körbe häkeln. Denn zum Tragen waren die Taschen, die ausgestellt waren, zu schwer. Besonders innovativ fand ich Papiergarn aus Holland: Das war wirklich reißfest, wie an dem Stand mit einer großen Strickliesel demonstriert wurde.

Ich habe mir nur drei dicke Knäuel reine Baumwolle gekauft. Da gefiel mir die Farbe so. Der Wollberg muss schließlich wieder wachsen.

Schöne Fotos von der Creativa gibt es übrigens bei Birgit im Foto-Blog.

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