Kreativität auf Knopfdruck?

Viele sagen: Du hast einen tollen Beruf. Du darfst Geschichten schreiben. Ja, ich habe es gut. Ich darf Geschichten schreiben. Manchmal heißt das aber auch: Ich muss Geschichten schreiben.

Foto: Andrea Behnke
Foto: Andrea Behnke

Meine Arbeit teilt sich in zwei Bereiche: in einen größeren – das sind meine Auftragsarbeiten. Da schreibe ich nicht nur Geschichten, sondern auch Sachtexte, Journalistisches, Unterrichtsmaterialien. Aber ich schreibe eben auch Geschichten im Auftrag: Oft gibt es dann eine Rahmenhandlung, eine Hauptfigur oder manchmal auch nur ein (Ober-)Thema. Gerade habe ich am Stück für ein neues Buch 22 Geschichten erfunden.

Der kleinere Bereich sind meine freien Arbeiten. Das sind Geschichten, die ganz aus mir selbst herauskommen – und die ich, wenn den Nerv treffe, auch verkaufe. Dieser auftragsfreie Bereich ist oft sehr klein, was einerseits gut ist: Denn das zeigt, dass der Schreibladen brummt.

Andererseits finde ich das auch manchmal schade und fiebere Zeiten entgegen, in denen ich etwas mehr Luft habe. Freiheit für Eigenes. Und dann? Nichts dann. Mein Computer gleicht einem Emmentaler Käse.  Löcher in den Bildschirm gestarrt. Kreativität auf Knopfdruck? Ja, gerne – aber wo ist der Knopf?

Kreativität braucht Raum

Diese Woche hätte ich ein paar kreative Tage, nachdem ich mich in der letzten Zeit ziemlich leergeschrieben habe. Bald werden mir aber die Buchumbrüche und andere Aufträge wieder vor die Füße fallen, das weiß ich schon. Die Ideen müssen also bald aus meinem Hirn purzeln, sonst ist ihre Zeit schon wieder um.

Und genau das funktioniert oft nicht, merke ich. Kreativität braucht Raum. Freiraum.

Natürlich kenne ich alle möglichen Kreativitätstechniken. Doch selbst die versagen manchmal in der Zeit zwischen dem Stress. Müdigkeit, der Druck, genau jetzt „ausspucken“ zu müssen, und im Moment tatsächlich auch das fehlende Sonnenlicht … all das ist nicht kreativitätsfördernd.

Und was hilft? Den Druck rauszunehmen. Was anderes Kreatives zu tun. Seit ich ein Instrument lerne, ist die Musik für mich Kreativtätsförderung. Oder ein Spaziergang, um den Kopf frei zu bekommen. Da fliegen mich manchmal kreative Gedanken an. Und wenn ich die Idee habe, kommt das Schreiben meistens von selbst.

Ja, ich habe einen tollen Beruf. Denn ich darf Geschichten schreiben. Nur wie am Fließband geht das nicht immer. Und jetzt gehe ich Flöte üben.

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