Lesung mit Heimvorteil

Gestern habe ich aus meinem Kinderroman „Die Verknöpften“ gelesen – und zwar in der Buchhandlung Mirhoff-Fischer. Diese ist in „meinem Viertel“, es war daher eine besondere Lesung mit Heimvorteil. Einige der Gäste kannte ich daher auch, ich habe mich über alle Besucherinnen und Besucher gefreut. Im Mittelpunkt standen, wie es sich für eine Kinderroman-Lesung gehört, natürlich die Kinder.

Ich habe die Lesung sehr genossen, habe – wie immer bei Verknöpften-Lesungen – anhand von Bildern aus dem Buch und anhand von Originalfotografien die Geschichte der wahren Else Hirsch erzählt, die als Lehrerin der Jüdischen Schule in Bochum gearbeitet und die Kindertransporte aus Bochum mitorganisiert hat. In Bochum kennen die Menschen die Originalschauplätze, das macht die Geschichte noch eindringlicher.

Im Anschluss habe ich habe viele Schlüsselszenen aus dem Buch szenisch gelesen. Danach konnten die Zuhörerinnen und Zuhörer mir Fragen stellen, so kamen wir noch ins Gespräch.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Sonderförderprogramms Aufgeschlagen! des Landes Nordrhein-Westfalen statt – ein Dankeschön für dieses Förderprogramm.

Foto: Birgit Ebbert – mit großem Danke dafür!

 

 

Fluchtgeschichten

Auf dem Bild signiere ich meinen Roman „Die Verknöpften“ – nach einer Schullesung aus „Flaschenpost in Sütterlin“ Anfang des Monats. Die Hälfte der Fünftklässlerinnen und Fünftklässler des Essener Gymnaiums, die bei der Lesung waren, hat „Die Verknöpften“ gerade als Schullektüre gelesen. Die beiden Bücher eint: Beide Kinderromane spielen (zumindest zum Teil) in der Zeit des Nationalsozialismus‘, in beiden Geschichten müssen Kinder fliehen. Doch bei den Verknöpften sind es jüdische Kinder: Minna, die mit ihren Eltern versucht, nach Amerika zu fliehen. Und Leon kommt auf den ersten Kindertransport, der Kinder von Bochum nach England in Sicherheit bringt. Sie gehören zu jenen Menschen, die grundlos diskriminiert, verfolgt, vertrieben wurden. Die ihre Heimat verließen, um dem Naziterror zu entkommen. Um zu überleben.

In der „Flaschenpost“ fliehen zwei Mädchen aus Ostpreußen. Weil die Rote Armee einmarschiert – als Folge des brutalen Kriegs, den die Deutschen unter Hitler begonnen haben. Aufgrund des Angriffs der deutschen Soldaten auf Russland. Auch der Vater von Irmgard in dem Buch war Soldat. Der Gegenschlag der russischen Armee trifft die deutsche Zivilbevölkerung (u.a. in Ostpreußen), die zum Teil flieht, zum Teil vertrieben wird. Opfer sind insbesondere Kinder, Frauen sowie alte und kranke Menschen. Ein Gedanke, der in meinem Kopf kreist: Meine Oma ist aus Schlesien geflohen. Sie war Anfang 20. Sie hat nichts getan, um den Nationalsozialismus zu stoppen. Ebenso wie die Mehrheit der Deutschen nichts getan hat – auch in Ostpreußen und Schlesien nicht. Trägt meine Oma Schuld an ihrem Schicksal? Meine Oma war erwachsen.

Anders die Kinder in meinem Buch, sie waren 10 Jahre alt, als sie geflohen sind. Ebenso alt wie Minna und Leon in „Die Verknöpften“. Kinder werden von Kriegen immer unschuldig getroffen. Derzeit sind knapp 37 Millionen Kinder weltweit auf der Flucht. Das ist die höchste Zahl seit dem Zweiten Weltkrieg.

Fotos: AKS / Andrea Behnke

Festival „Wagnis“

Ich habe mich gefreut, dass ich mit meinem Buch „Die Verknöpften“ eine Einladung nach Berlin hatte: Ich durfte bei den Autorenwochen „Wagnis – Kopfsprung in neue Geschichten“ lesen. Eingeladen hatte das Theater Morgenstern, ein wunderbares Theater in Berlin-Friedenau. Das Konzept, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters für die Autorenbegegnungen entwickelt haben, ist toll: Denn es können sich Gruppen für die Lesungen bewerben (aus Schule oder Kita, je nach Buch) – und dann gibt es eine theaterpädagogische Einführung rund um das Buchthema. So kommen die Kinder und Jugendlichen sehr gut vorbereitet in die Lesungen.

Doppelte Premiere

Meine Lesung war für mich eine doppelte Premiere: Nachdem ich schon sehr viele Lesungen (rund 30) mit den Verknöpften hatte, war es meine erste Einladung in die Hauptstadt. Und: Es war meine erste Lesung vor einer dritten Klasse – zudem vor einer reinen Jungsklasse. Ich gebe zu: Es hat mich erst ein wenig nervös gestimmt, dieses Buch vor dieser Altersgruppe zu lesen. Der Verlag hat das Buch ab 10 Jahren ausgewiesen, ich habe es für Kinder ab der 4. Klasse geschrieben. Bisher waren alle Buchungen bei diesem Roman für 5. oder 6. Klassen – oder es waren offene Lesungen. Eine Bücherei hatte kürzlich versucht, Grundschullehrkräfte zu motivieren, mit einer 4. Klasse zu kommen, doch die Angesprochenen fanden es zu früh.

Und jetzt also eine 3. Klasse … Doch was soll ich sagen? Es war eine ganz wunderbare Lesung. Nicht zuletzt durch die gute theaterpädagogische Vorbereitung zum Thema Ausgrenzung konnten sich die Jungen sehr gut in die vier Kinder aus meinem Roman einfühlen. Sie hatten ein sehr großes Interesse an der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, an dem „Warum?“ und auch daran, was die Vergangenheit mit unserer Gegenwart zu tun hat. Es waren ganz intensive Gespräche, gepaart mit Wissensdurst und Neugier. Das Theater Morgenstern hat alles hervorragend organisiert, sodass ich meine Zeit im Geschichtenraum des Theaters sehr genossen habe. Danke!

Mein Anliegen mit dem Buch war und ist es, gerade jüngere Kinder (Ende der Grundschule) anzusprechen. Jetzt hoffe ich, dass sich mehr Lehrkräfte von 4. Klassen trauen, das Thema Nationalsozialismus anzugehen. Literatur und Lesungen sind ein guter Weg dafür. Kindgerecht aufbereitet, kann es nicht früh genug sein.

Foto: Andrea Behnke

Kooperation mit dem Jüdischen Museum Westfalen

Ich freue mich über ein Projekt, das ich mit dem Jüdischen Museum Westfalen durchführe. Der erste Baustein ist gerade gelaufen: ein zweiteiliger Schreibworkshop mit 10 Kindern aus den 4. Klassen der Agatha-Grundschule in Dorsten. Die Museumspädagogin hatte den Kindern eine inhaltliche Einführung zur gerade laufenden Ausstellung zu Kindertransporten 1938/1939 gegeben. Im Anschluss habe ich mit den Jungen und Mädchen geschrieben und kreativ gearbeitet. Vor allem ging es auch um Fragen, die das „Heute“ betreffen. Denn es ist mir ein Anliegen zu zeigen, was die Vergangenheit mit unserer Gegenwart und Zukunft zu tun hat. Warum es wichtig ist zu wissen, was in der Vergangenheit passiert ist.

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Exkursionen – ein Buch

Im August habe ich auf dem Festival „Musik & Kultur in westfälischen Landsynagogen“ gelesen, das von der Evangelischen Stadtakademie Bochum organisiert und von der LWL Kulturstiftung finanziert wurde. In acht Veranstaltungen wurde an die vergessenen Orte jüdischer Geschichte erinnert.

Ich war in Gronau-Epe zu Gast, dem Geburtsort von Erich Mendel, der auch in meinem Roman „Die Verknöpften“ eine Rolle spielt. Er war in den 30er Jahren der Kantor der Jüdischen Gemeinde in Bochum und der Rektor der Jüdischen Schule, um die es in meinem Buch geht. Es war ein wunderbarer Tag in Epe: Neben meiner Lesung gab es ein Konzert sowie eine Stadtführung, auf den Spuren des einstigen jüdischen Lebens in dem Ort. Das alte Synagogengebäude in Epe, das in der Pogromnacht zerstört wurde, soll zu einem Ort der Erinnerung, Begegnung und Bildung werden.

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