Laub

Das letzte braune Blatt will nicht fallen, will nicht gefegt werden, will nicht allein unter vielen in einem Container landen. Mit seinem dünnen Finger klammert es sich fest an den Zweig. Der Wind bläst, doch das Blatt ist stärker. Wer genau hinschaut, sieht noch ein wenig Blut pulsieren. Dann ziehen sich die Adern des Blattes zusammen, schließlich Starre. Die Kraft des Fingers lässt nach. Erst voller Muskelspannung, entspannt das Blatt mehr und mehr, bis es kraftlos vom Ast lässt, den Weg frei macht für den Flug durch die Luft.

Chanson

„Kennste den noch?“, fragt er sie. „Sitzt ein Regenwurm auf der Wiese. Singt ‚Chan-son-d‘-a-mououour …‘. Kommt der Rasenmäher und singt ‚Radadadada‘.“

Sie guckt ihn an. „Ich bin kein Wurm“, meint sie.
Er nimmt sie in den Arm und sie summen vor sich hin.

Damals

Uns geht es gut.
Hat sie gesagt.
Erzählt hat sie nichts.
Nichts davon, wie es damals war.
Uns geht es gut.
Mittags hat sie immer Fleisch gebraten.
Mit Sauce serviert.
Einmal hat sie das Braun
An etwas erinnert.
Gelber Sprudel hat die Gedanken weggespült
Zum Nachtisch Nachkriegspudding.
Süß.
Uns geht es gut.
Im Fernsehen kommt das erste Mal
„Einer wird gewinnen“.

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