In drei Tagen ist Weihnachten. Es regnet. Richtig weihnachtliche Stimmung will sich nicht einstellen, obwohl der Weihnachtsbaum im Büro leuchtet. Ein Hauch von Melancholie liegt über dem Schreibtisch, der sich langsam für dieses Jahr leert.
Wer diese Stimmung noch mit einem Buch untermalen möchte, für den habe ich einen Tipp: “Winterzirkus” von Martin Baltscheit. Keine Neuerscheinung, doch es ist es meine Kinderbuch-Entdeckung des Jahres. Gerade ausgelesen, hängt noch eine Träne in meinem Augenwinkel. Martin Baltscheit hat sich hier selbst übertroffen. Ich mag seine Bücher sowieso: “Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte” oder – ganz aktuell – “Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor”. Und natürlich der kleine Herr Paul, der Bücher mag.
Immer besticht er durch tiefsinnigen Humor und eine ganz besondere eigene bildhafte Sprache. Der Winterzirkus ist wunderbar schräg mit verschrobenen Figuren. Da ist Anna, die nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben will – dafür aber an den Winterzirkus, in den nur Haustiere gehen. Von dem hat Tante Ruth im Sommer erzählt. Die “olle Ruth”, die sie so liebt.
Martin Baltscheit zeichnet eine phantastische Welt, in die Kinder flüchten können. Und wir mit ihnen, wenn wir es zulassen. Es geht um das Glauben an etwas, um wichtige Fragen des Lebens, die in leuchtenden Farben beantwortet werden – obwohl das Ende der Geschichte traurig ist.
Apropos Farben: Mir gefallen auch ganz besonders die Illustrationen von Aljoscha Blau, die so anders sind als das, was heutzutage oft für Kinder gezeichnet wird. Sie machen das Buch zu einem (Vor-)Leseerlebnis. Nicht nur zu Weihnachten.
Martin Baltscheit
Winterzirkus
Fischer Schatzinsel 2007
