Weltmusik

Weltmusik ist für mich nicht nur die Musik, die ich besonders gerne höre und live erlebe. Sondern sie ist auch ein politisches Zeichen. Weltmusik verbindet. Weltmusik ist Vielfalt. Weltmusik ist Weltoffenheit.

Wer mich etwas näher kennt, weiß: Ich lerne seit knapp zweieinhalb Jahren Flöte: Blockflöte, von Sopranino bis Bass. Und damit spiele ich seit März bei Grenzen.los mit – das ist das Weltmusik-Ensemble der Musikschule Bochum.

Wir machen Musik aus Osteuropa ebenso wie aus Südamerika. Wir spielen Klezmer und direkt danach ein arabisches Stück. Grenzenlos eben. Auch ohne Grenzen im Kopf.

Am Samstag fand in Bochum „Global Music NRW“ statt. Das ist ein Wettbewerb für jüngere Menschen, zudem gab es ein Festival. Im Wettbewerb spielten 13 Ensembles, Gruppen und Bands um Preise. Und in der wunderbaren, gerade neu eröffneten Rotunde gab es noch mehr Musik – dort traten wir auch auf.

Ich habe mir viele Auftritte angeguckt. Und war begeistert: so viele Menschen, die die Weltmusik für sich entdeckt haben. Manche haben Songs geschrieben zum Zusammenleben oder zu Frieden, andere interpretierten überlieferte Lieder neu, trommelten, tanzten. So unterschiedlich die Darbietungen waren – eins stand über allem: über den Tellerrand zu blicken, gemeinsam mit Menschen zu musizieren (egal, wo sie oder ihre Eltern herkommen), neue Bands und deren Musikerinnen und Musiker kennenzulernen.

Klezmer als Zeichen

Mir ist vor allem ein Auftritt im Gedächtnis geblieben: der der Klezmergruppe „5th Generation“ aus Leverkusen. Vor ihrem Wertungsauftritt im Musikforum hat das Ensemble der Leverkusener Musikschule in der Rotunde gespielt. Zwischen den Stücken hat Ensembleleiter Heinz-Jürgen Ohrem etwas zu der Musik erzählt, zur jüdischen Kultur und auch über die Konzertreise nach Israel, die er mit den Jugendlichen gemacht hat. Dort haben die Klezmorims auch in Altenheimen gespielt, wo sie zum Teil noch auf Holocaust-Überlebende getroffen sind. Die waren glücklich, dass „diese jungen Deutschen ihre Musik spielen“. Auch als Zeichen. Als Mahnung, dass sich der Holocaust nie wiederholen darf.

In dem Moment dachte ich an eine lange Diskussion, die ich am Tag zuvor auf Twitter geführt habe. Mit Menschen, die in Geflüchteten die Schuldigen sahen, dass es in Deutschland soziale Ungerechtigkeit gibt. Mit Menschen, die nichts lieber wollten, als dass die Geflüchteten aus Deutschland verschwinden.

Heinz-Jürgen Ohrem erwähnte die Bundestagswahl. Das folgende Stück war für mich wie ein Mahnmal. Dass mir die Tränen kamen, lag nicht nur an der wunderbar gespielten Musik.

Foto: Andrea Behnke

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