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Unis mögen “Denglisch”?

Dienstag, 17. Januar 2012

Kerstin Hoffmann – im Netz ebenso bekannt als PR-Doktor – hat in ihrem Blog zu einer tollen Aktion samt Blogparade aufgerufen. Sie hat 2012 zum „Jahr der ungewöhnlichen Formulierung“ ernannt – und in vielen Blogs erscheinen nun entsprechende Artikel. Auch ich mache gerne mit!

Just, als ich ihre Ankündigung in meinem Netzwerk Textreff las, stolperte ich mal wieder über eine wunderbare Überschrift einer Pressemitteilung: Darin wirbt die Universität Hohenheim für ihre „Real Life Schüler-Uni“. Was sich dahinter verbirgt? Fragte ich mich auch. Tja, letztlich ging es um nichts anderes als einen Schnuppertag im Vorlesesaal. Warum dann „Real Life Schüler-Uni“? Gibt es noch eine andere Uni als eine „im echten Leben“? Vielleicht eine in der Phantasie?

Mir scheint, dass immer mehr Hochschulen glauben, nur mit englischen Begriffen könne man Schülerinnen und Schüler auf den Campus locken. Da gibt es den „Summer of Science an der Uni Stuttgart“ oder als winterliche Variante die „MINT Winter School an der RWTH Aachen“ sowie die Kinderuni mit „Science Camp“ an der Uni Halle-Wittenberg. Die TU Berlin fordert Frauen auf, in Naturwissenschaften und Technik zu schnuppern: „Try it!“ Oder – noch besser: Die Uni Lübeck ruft gar „Women Wildly Wanted“, die FH Erfurt fordert „Taste MINT“ und die Uni Saarland „Rent a Prof“.

Einmal grundsätzlich: Was soll eine Überschrift einer Presseinfo? Sie soll neugierig machen, klar. Aber: Sie soll auch nicht verwirren. Sie soll den Inhalt der Pressemittelung auf den Punkt bringen. Tun das die genannten Beispiele? Was können sich Eltern und Kinder/Jugendliche unter „Coast Line Camp(us)“ (Hochschule Bremerhaven) oder unter „OpenUniverCity“ (Hochschule Halle-Wittenberg) vorstellen? Nicht viel, oder? Allenfalls das Falsche …

Gerade, wenn es um Angebote für Schülerinnen und Schüler geht, wollen viele Universitäten locker daherkommen. Und setzen auf englische Begriffe. Weil Englisch so – um im Englischen zu bleiben – „cool“ klingt? Und weil das die Sprache „der Jugend“ ist?

Ob sich Schülerinnen und Schüler tatsächlich auf dem Schulhof so unterhalten: „Hey, walken wir durch die OpenUniverCity? Oder driven wir lieber nach Lübeck, da sind wir wildely wanted!“ I don’t believe it. Oder besser: Ich glaube kaum.