Luisa, Marina, Suna: Wer ist sie? Wer ist die Suchende – die Suchende, die ihrem Leben, ihren Wurzeln nachspürt? In ihrem Roman „Suna“ nimmt Pia Ziefle ihre Leserinnen und Leser mit auf eine Reise. Auf eine Reise in andere Länder und auf eine Reise zu sich selbst.
Über mein Netzwerk Texttreff wusste ich, dass Pia Ziefle an dieser Geschichte arbeitet. Und habe mich sehr gefreut, als ich mein Leseexemplar in den Händen hielt. Ich habe angefangen zu lesen, bin eingetaucht und konnte nicht mehr aufhören.
Das Buch umfasst sieben Nächte, in denen die Hauptfigur ihrer kleinen Tochter ihre Geschichte erzählt. Die Geschichte ihres Lebens, ihrer vier Elternteile. Denn die Erzählerin wurde adoptiert. Eine deutsche Adoptivmutter, ein deutscher Adoptivvater, die leibliche Mutter aus Ex-Jugoslawien und der leibliche Vater aus der Türkei – sie alle sind ihre Wurzeln. Das Buch hat mich fasziniert und beeindruckt: der packende Stil, die Authentizität, die Spannung. Und die saubere Recherche der geschichtlichen Zusammenhänge.
Pia Ziefle führt einen in ihrem brillianten Debüt durch vier Familiengeschichten. „Ich will immer gerne wissen, warum Menschen in einer Situation so handeln und nicht anders. Wieviel Freiheit haben sie? Was bestimmt ihr Handeln? Kann man sich selbst losgelöst von seiner Biografie betrachten? Sind wir wirklich unabhängig von unseren Vorfahren, können wir jeden Tag neu beginnen?“ – diese Fragen stellt sich die Autorin immer wieder. Sie, die selbst adoptiert wurde, weiß, dass diese Themen für adoptierte Kinder noch größer werden.
„Wenn man ausgehend vom Anfang der 70er zurückrechnet stellt man fest, dass die aufnehmenden Eltern zwangsläufig zu einer Generation gehören, die als Kinder den zweiten Weltkrieg erlebt haben, das wirft ein ganz neues Licht auf die Motivationen, einem wurzellosen Kind eine Heimat zu geben, verstärkt noch dadurch, wenn ein Paar keine eigenen Kinder bekommen kann“, sagt Pia Ziefle. „Etwas, was auf den ersten Blick ideal erscheint, birgt aber die sehr große Gefahr, dass man weder dem eigenen inneren Kind, das in der Nachkriegszeit keinen Raum finden konnte, seine Wunden zu heilen, noch dem adoptierten Kind gerecht werden kann.“
Wie bei einem Mosaik entsteht beim Lesen mehr und mehr ein Ganzes – ebenso wie für die Hauptfigur. Beginnt das Buch damit, dass die Tochter der Frau mit den drei Namen nie schläft, endet es hoffnungsvoll. „Ich habe nach meinen Wurzeln gesucht, nach meinen und nach deinen, mein Kind, denn ohne Wurzeln kann das Herz nicht wachsen.“ (S.300)
Pia Ziefle
Suna
Ullstein, Berlin 2012

[...] Andrea Behnke [...]