Es ist schon verrückt, was das Netz mit einem macht. So denke ich seit ein paar Tagen: Alle sind in Leipzig auf der Buchmesse, nur ich nicht. Meine halbe Timeline bei Twitter scheint sich dort zu tummeln – und es ist ein Gefühl, als wär’s die ganze. In meinen beiden Netzwerkforen Texttreff und Twitter kommt es mir ruhig vor. Klar, alle sind in Leipzig.
War es von mir eine bewusste Entscheidung – vor allem wegen einiger dringender Aufträge – dieses Jahr nicht nach Leipzig zu fahren, kommt es mir jetzt vor, als verpasse ich was. In einem ganz schwachen Moment habe ich gar geschaut, wie teuer ein Last-Minute-Flug wäre.
Die Welt steht still im Ruhrgebiet – sie dreht sich nur in Leipzig. Alle Züge werden umgeleitet – nach Leipzig. Die Menschen in ihren Autos kennen nur ein Ziel – Leipzig. Und die Flugzeuge fliegen alle gen Osten.
Ja, es ist merkwürdig: Meine virtuelle Welt bewegt sich im Moment in Leipzig. Dort geht es rund, dort wird genetzwerkt, dort gibt es Inspiration.
Aber ich war auch früher – bevor ich über Twitter, Blogs & Co. erfuhr, wo andere Menschen sind – mal nicht in Leipzig. Und habe es nicht wirklich vermisst. Ich habe Berichte gelesen und Fernseh-Specials gesehen. Und in Bochum gearbeitet. Doch jetzt denke ich, die Bücherwelt dreht sich, und ich drehe mich nicht mit.
Und dann gehe ich zum Bäcker. Ja, warum backen die denn hier noch Brötchen? Wo doch alle auswärts frühstücken, nämlich in Leipzig? Und die Bäckereiverkäuferin sagt zu mir: “Ganz schön viel Betrieb heute.”
Ist eben doch nur eine Sichtweise, denke ich. Und gehe zurück in mein Büro und lese kurz online, was gerade in Leipzig los ist. Mein Brötchen schmeckt gut.
Peter Smola / pixelio.de
