Kinder, die lesen lernen, brauchen Erfolgserlebnisse. Das Größte ist für sie, wenn sie eine ganze Geschichte selbst lesen. Der Markt an Büchern mit Erstlesegeschichten ist groß. Viele Verlage haben spezielle Reihen im Programm: sowohl die Publikumsverlage als auch die Schulbuchverlage. Ich habe zwei Bände mit Erstlesegeschichten für den Persen-Verlag geschrieben – der erste Band wird im Mai erscheinen.
Doch was macht gute Erstlesegeschichten und -bücher aus?
- Die Sprache sollte einfach gehalten sein. Fremdworte, allzu lange und schwierige Worte sind vor allem dann tabu, wenn die Kinder die Geschichten daheim (also ohne Lehrerin oder Lehrer) lesen.
- Die Sätze sind kurz und verständlich.
- Die Schrift ist groß und gut lesbar.
- Die Seiten sind in Sinnabschnitte gegliedert und übersichtlich gestaltet.
- Ansprechende Illustrationen sind sehr wichtig.
- Insgesamt darf eine Geschichte nicht zu lang sein.
Und vor allem: Der Text muss Sechs- oder Siebenjährige ansprechen. Inhaltlich anspruchsvoll und sprachlich leicht – das ist die Kunst, die in Erstlese-Büchern steckt.
Während es eine Zeitlang sehr viele Hexen-, Piraten-, Prinzessinen- und Schulhofgeschichten gab, versuchen inzwischen einige Verlage, auch andere Themen leseleicht aufzubereiten.
So hat zum Beispiel meine Kollegin Birgit Ebbert gerade in der Reihe “Die kleinen Lesedrachen” einen Erstleser für Kinder ab der 2. Klasse geschrieben: “Ben gefangen im Watt”. Das Buch hat sie tatsächlich dort recherchiert, wo es spielt: an der Nordsee, auf Baltrum.
Dieses Buch hat alles, was ein Erstleser braucht: eine verständliche Sprache, authentische Figuren, eine spannende und vor allem altersgerechte Handlung – gemischt mit ein wenig Abenteuer. Da ist nämlich Ben, der aus Bayern auf die Insel gezogen ist und sich zunächst alles andere als heimisch fühlt. Ben, der Ebbe und Flut nicht einschätzen kann und dann plötzlich auf einer Sandinsel umschlossen ist … Zu guter Letzt geht es auch um Ausgrenzung und Freundschaft. Das Buch macht sowohl Mädchen als auch Jungen Lust auf Lesen.
Dank einer Leserallye mit Fragen zum Textverständnis können die Leserinnen und Leser nach jedem Kapitel überprüfen, ob sie alles richtig verstanden haben. So macht Lesenlernen Spaß.
Birgit Ebbert
Ben gefangen im Watt
Klett Lerntraining
Stuttgart 1012
