Lesen wir noch Gedrucktes? Das fragt sich Mike Schnoor in einem Blogbeitrag und ruft zur Blogparade auf. Seine Frage schließt sich nahtlos an meine Gedanken zum E-Reader an, die ich erst vor ein paar Tagen noch ein wenig weitergeführt habe.
Das Thema, das Mike Schnoor angestoßen hat, beschäftigt mich sowohl beruflich, als Schreibende, als auch als begeisterte Leserin. Nun habe ich die 40 ja schon vor ein paar Jahren überschritten – kenne also noch Zeiten ohne Computer, ohne Tablet, ohne E-Reader. Meine ersten journalistischen Erfahrungen sammelte ich in der Lokalredaktion – dort gab es zwar schon ein redaktionseigenes Computerprogramm, doch die Seitenpläne wurden noch geklebt. Und die Zeitung galt damals neben Fernsehen und Hörfunk als Informationsmedium Nummer 1.
Wenn ich mir nun anschaue, wie ich die Medien nutze, hat sich seit den 90er-Jahren für mich schon viel verändert. Recherche hat sich ins Netz verlagert. Das klassische “Nachschlagen” erfolgt online.
Stichwort: Zeitungen
Ich lese noch Zeitungen, aber nicht mehr täglich. Lieber stelle ich mir, bevor ich mit der Arbeit beginne, meine “eigene Online-Zeitung” zusammen. Ich surfe zu verschiedenen Portalen von Zeitungen und Zeitschriften, durchforste Meldungen der Nachrichtenagenturen oder suche ganz gezielt nach Veröffentlichungen zu bestimmten aktuellen Themen. Artikel auf dem Laptop zu lesen, finde ich komfortabel – und mit der Vielfalt an täglichen Informationen, die mir das Internet bietet, kann ein Tageszeitungsabo nicht konkurrieren.
Stichwort: Zeitschriften
Bei Zeitschriften bin ich traditioneller: Die lese ich immer noch sehr gerne gedruckt. Ich habe immer noch einige Fachzeitschriften im Abo, die ich auch aufhebe. Obwohl ich – kurioserweise – nur selten nach dem ersten Lesen noch einmal darin recherchiere. Das mache ich dann bei Bedarf nämlich doch wieder online … Doch in Zeitschriften blättere ich gerne nach Feierabend, im Wohnzimmer. Zeitschriften lesen ist für mich Entspannung. E-Abos habe ich keine.
Stichwort: Bücher
Ich besitze ein riesiges Bücherregal voll mit Büchern, mit Fachbüchern und mit Literatur. Und im Keller stehen noch einige Kisten mit Kinder- und Jugendbüchern, die ich früher geliebt habe. Ich bin mit Büchern groß geworden. Meine Mutter hat mir sehr viel vorgelesen. Da man damals nicht so viele Bücher kaufen konnte – es war zu teuer – bin ich schon als kleines Kind in die Bücherei gegangen. In meiner kleinen früheren Heimatstadt gab es eine Kinderbücherei, Türmchen genannt. Für mich war das ein Turm der Glückseligkeit. Bücher auf zwei Etagen, eine echtes Schloss.
Ich hatte Deutsch- und Englisch-Leistungskurs, habe später ein sozial- und geisteswissenschaftliches Studium absolviert (noch ganz ohne Internet, übrigens). Lesen spielte überall eine große Rolle. Lesen, das hatte etwas mit Papier zu tun, mit einem bestimmten Geruch, mit Blättern.
Auch heute kaufe ich immer noch gedruckte Bücher, obwohl ich einen E-Reader habe. Den nutze ich, um Texte, die ich als pdf geschickt bekommen habe, komfortabel lesen zu können. Oder für Lektüre, die es nur als E-Book gibt. Gerne nehme ich den Reader mit in den Urlaub, da er platzsparend ist. Doch ansonsten, in meiner Freizeit, da mag ich es immer noch, richtig zu blättern und nicht wieder, wie schon den gesamten Tag, auf einen Bildschirm zu schauen. Und selbst bei Fachbüchern genieße ich es, sie nacheinander in die Hand zu nehmen, vor- und zurückzublättern, mir mit Haftis die wichtigsten Stellen zu markieren …
Und als Schreiberin?
Als Schreiberin hingegen haben mich die digitalen Medien längst erreicht. Habe ich früher immer gesagt: “Ich bin eine Frau, die Print liebt”, so wurde das Gedruckte längst um Online-Medien ergänzt. Gerade bei Schulmaterialien oder journalistischen Artikeln für Jugendliche setzen immer mehr Einrichtungen und Verlage auf die digitale Zukunft. Und das bietet sich auch an, denn die interaktiven Möglichkeiten sind eine Bereicherung. Doch auch hier: Digitale Medien haben das Gedruckte nicht abgelöst. Ich freue mich, dass meine Bücher zum Beispiel alle auch als Papierversion erschienen sind bzw. erscheinen.
Kurzum: Für mich als Leserin und als Schreiberin sehe ich, dass Print und Online- oder E-Medien nebeneinander existieren. Die neuen Möglichkeiten haben das Spektrum erweitert, lösen aber das Alte nicht ab.
Foto: Lupo / pixelio.de

Ja, so ziemlich ähnlich geht es mir auch. Die Zeitungen quer im Internet lesen und mich auf die Süddeutsche zum Blättern am Wochenende freuen. Zeitschriften gerne manuell, mit Artikeln zum raus reißen; Bücher allerdings sind zum Schmökern da und in die Hand nehmen, lesen und manchmal an ihnen schnuppern. Aber ganz ohne E-Book, Internet geht es in der Medienwelt nicht. Beides ist gut, es kommt auf die Dosierung an.
Dosierung, das ist wohl das Zauberwort in der heutigen Medienwelt ;-)