Kladde

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Auf einen Mord in Hagen

Montag, 13. Februar 2012

Nein, nein – die Überschrift steht nicht für eine Einladung ;-) Sie ist der Titel eines neuen E-Books mit drei Kurzkrimis von Birgit Ebbert, die – wie sollte es anders sein – seit einigen Jahren in Hagen lebt.

Mit Gerd Neubert hat sie einen wunderbaren Charakter erfunden: Der Mann ist kein Journalist, kein Privatdetektiv, kein Pfarrer … Er ist auch kein Profi-Ermittler – zumindest nicht mehr. Gerd Neubert war Polizist und lebt, nach privaten Schicksalsschlägen, auf den Straßen Hagens. Doch ebenso wie die Katze das Mausen nicht lässt, führt es den obdachlosen Ex-Polizisten immer wieder an Tatorte. Dort ermittelt er – an realen Schauplätzen in Hagen. Auch die Events – der Hagener Autosalon oder den “Tag der offenen Hinterhöfe” – gibt es tatsächlich.

Ich mag ihn, den Gerd Neubert. Den Ermittler mit Seele, mit Vergangenheit – und hoffentlich auch mit Zukunft. Denn die drei Kurzkrimis machen Lust auf mehr. Ich würde mich auf  eine Fortsetzung freuen – auf weitere Kurzkrimis, auf einen Kaffee mit dem E-Book-Reader in der Hand.

Apropos E-Book-Reader: Mein E-Reader ist nun ein halbes Jahr alt. Und ich muss gestehen: Manchmal liegt er verwaist in der Schublade, so lange, bis er sich entladen hat. Ich lese gerne Texte darauf, die ich als pdf bekomme – das ist angenehmer, als lange Stücke am Rechner zu lesen. Doch Literatur “verspeise” ich weiterhin gerne in Buchform. Auch, weil viele E-Books ebenso viel kosten wie die gedruckte Version. Umso mehr freue ich mich, dass es inzwischen auch reines E-Book-Futter gibt, das professionell verlegt wird – eben wie die Kurzkrimis von Birgit Ebbert, die von Chichili-Publishing sind. Dort werden die Manuskripte geprüft, nicht jede Idee wird verlegt.

E-Books mit Qualitätsanspruch – darauf legt Chichili wert. So war der erste Kurzkrimi des Dreierpacks von Birgit Ebbert – „Job ohne Aussicht“ – für den Agatha-Christie-Preis nominiert.

Birgit Ebbert
Auf einen Mord in Hagen
chichili agency 2012

Autobiografisches Schreiben

Samstag, 07. Januar 2012

Schreiben hat nicht immer etwas mit Veröffentlichen zu tun. Schreiben kann auch eine Methode sein, sich selbst auf die Spur zu kommen. Das kennen all diejenigen, die regelmäßig Tagebuch schreiben. Oder jeden Morgen eine Seite zu Papier bringen, als Ritual zum Beginn des Tages. Schreibend kann man reflektieren und verarbeiten – nicht selten findet man auch Auswege, wenn man gerade in einem Lebens-Labyrinth steckt.

In Deutschland ist Schreiben als Therapie noch nicht so weit verbreitet. In anderen Ländern hat die so genannte Poesietherapie größere Bedeutung als hierzulande. Aber man muss auch nicht so tief greifen: Jedes autobiografische Schreiben ist heilsam und setzt neue Kräfte frei. Das bekomme ich auch in meinen eigenen Schreibwerkstätten immer mit, wenn ich autobiografische Übungen anleite. Dabei kann Schreiben gleichermaßen Nähe und Distanz schaffen – beides kann kleine Wunder bewirken.

Es gibt einige Ratgeber zum therapeutischen Schreiben. Soeben ist ein neuer erschienen: “Die heilende Kraft des Schreibens”. Er ist aus der Feder von Altbekannten: Barbara Schulte, Barbara Schulte-Steinicke und Lutz von Werder. Die beiden Letztgenannten haben schon einige Bücher zu ähnlichen Themen veröffentlicht und unterrichten auch im Institut für Kreatives Schreiben in Berlin. Alle drei sind erfahrende Schreibgruppenleitungen und in der Aus- und Weiterbildung aktiv.

Diese Erfahrungen machen sie nun in einem Ratgeber für alle Interessierten zugänglich. Im Teil I gibt es einen Versuch, Schreibtherapie einzuordnen: zum einen in den psychologischen Kontext, zum anderen in einen schriftstellerischen – sehr interessant! Der Teil II besteht aus Übungen und Anregungen. Über allem steht der Dreischritt: Erinnern, wiederholen, durcharbeiten, der einst von Sigmund Freud entwickelt wurde.

Das Buch ist eine gute Anleitung für Einsteigerinnen und Einsteiger, sich dem autobiografischen Aufarbeiten schreibend zu nähern. Wer sich schon mehr mit kreativen Schreibmethoden beschäftigt hat, wird zumindest einige der Einstiegsübungen (zum Beispiel “Serielles Schreiben”, “Freewriting” oder “Clustering”) schon kennen. Doch lernt man die Methoden hier noch einmal mit einem neuen, spezielleren Fokus kennen. Systematisch aufbereitet, ist der Ratgeber ein guter Leitfaden.

Kurzum: Wer daheim mit dem Stift auf den Pfaden des Lebens wandeln möchte, wird hier auf jeden Fall fündig!

Brigitte Schulte / Barbara Schulte-Steinicke / Lutz von Werder
Die heilende Schule des Schreibens
Patmos 2011

Schreib-Lust

Mittwoch, 04. Januar 2012

Ich gebe zu: Ich bin neugierig. Schon von Berufs wegen. Aber auch sonst. Vielleicht wäre ich auch nicht Journalistin und Autorin geworden, wollte ich’s nicht wissen – wer weiß! Und Biografien anderer Schreiberinnen und Schreiber interessieren mich besonders. Daher habe ich mich auch sehr auf die Lektüre von “Wie Kreatives Schreiben beflügelt” gefreut.

In dem Buch finden sich 18 Gespräche mit Schreiberinnen und Schreiber aller Couleur: Da kommt die Twitterin ebenso zu Wort wie ein Songwriter oder eine Reporterin. Auch Didaktiker werden interviewt – so auch Gerd Bräuer, bei dem ich mein Schreibberater-Aufbaustudium absolviert habe.

Allen gemein ist: Sie schreiben professionell, und sie reflektieren ihr Tun. Die beiden Autorinnen Susanne Diehm und Lena Hach haben ihren Interviewpartnerinnen und -partnern vieles herauskitzeln können: ihre Kreativitätstechniken, Schreibrituale und auch -hindernisse.

Zwischen den Zeilen liest sich das Ganze wie ein Schreibratgeber der anderen Art. Von den Antworten können die Leserinnen und Leser profitieren. Hinzu kommen – jeweils zu jedem der Schreibenden passend – Übungen, mit denen der Leser selbst in den Schreibfluss kommen soll. Manche davon sind durchaus bekannt, andere neu. So können Schreibwillige nicht nur lesen, sondern sich ihren eigenen Schreib-Handwerkskoffer packen. Eine schöne Idee.

Ganz rund wäre das Buch geworden, wenn sich unter den 18 Menschen vielleicht auch zwei oder drei aus ganz anderen Schreibfeldern gefunden hätten: zum Beispiel aus der Öffentlichkeit oder dem sonstigen beruflichen Schreiben. Dennoch: Das Buch ist eine kurzweilige Lektüre.

Susanne Diehm / Lena Hach
Wie Kreatives Schreiben beflügelt – auf dem Weg zum Traumjob
Schibri-Verlag 2011

Winterzirkus

Mittwoch, 21. Dezember 2011

In drei Tagen ist Weihnachten. Es regnet. Richtig weihnachtliche Stimmung will sich nicht einstellen, obwohl der Weihnachtsbaum im Büro leuchtet. Ein Hauch von Melancholie liegt über dem Schreibtisch, der sich langsam für dieses Jahr leert.

Wer diese Stimmung noch mit einem Buch untermalen möchte, für den habe ich einen Tipp: “Winterzirkus” von Martin Baltscheit. Keine Neuerscheinung, doch es ist es meine Kinderbuch-Entdeckung des Jahres. Gerade ausgelesen, hängt noch eine Träne in meinem Augenwinkel. Martin Baltscheit hat sich hier selbst übertroffen. Ich mag seine Bücher sowieso: “Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte” oder – ganz aktuell – “Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor”. Und natürlich der kleine Herr Paul, der Bücher mag.

Immer besticht er durch tiefsinnigen Humor und eine ganz besondere eigene bildhafte Sprache. Der Winterzirkus ist wunderbar schräg mit verschrobenen Figuren. Da ist Anna, die nicht mehr an den Weihnachtsmann glauben will – dafür aber an den Winterzirkus, in den nur Haustiere gehen. Von dem hat Tante Ruth im Sommer erzählt. Die “olle Ruth”, die sie so liebt.

Martin Baltscheit zeichnet eine phantastische Welt, in die Kinder flüchten können. Und wir mit ihnen, wenn wir es zulassen. Es geht um das Glauben an etwas, um wichtige Fragen des Lebens, die in leuchtenden Farben beantwortet werden – obwohl das Ende der Geschichte traurig ist.

Apropos Farben: Mir gefallen auch ganz besonders die Illustrationen von Aljoscha Blau, die so anders sind als das, was heutzutage oft für Kinder gezeichnet wird. Sie machen das Buch zu einem (Vor-)Leseerlebnis. Nicht nur zu Weihnachten.

Martin Baltscheit
Winterzirkus
Fischer Schatzinsel 2007

Schreibratgeber einmal anders

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Als ich die neue Reihe “Kreatives Schreiben” im Duden-Verlag sah, dachte ich zunächst: “O.k., wieder mal neue Schreibratgeber”. Doch irgendwie wirkten sie schon rein optisch anders, so “wertig”, irgendwie. Und dann sah ich, dass Hanns-Josef Ortheil die Bücher herausgibt – und das ließ mich blättern.

Was soll ich sagen: Ich bin sehr angetan! Schon lange hatte ich nicht mehr so inspirierende Schreibbücher in der Hand. Und ich behaupte nicht zu viel, wenn ich sage, dass ich extrem viele kenne und auch besitze, schon “von Berufs wegen”. Doch bei dieser Reihe hält der Inhalt, was schon die Optik und Haptik zu versprechen schienen.

Es gibt drei Bände:

  • Hanns-Josef Ortheil: Schreiben dicht am Leben – Notieren und Skizzieren
  • Christian Schärf: Schreiben Tag für Tag – Journal und Tagebuch
  • Stephan Porombka: Schreiben unter Strom – Experimentieren mit Twitter, Blogs, Facebook & Co.

Allen Bänden gemein ist, dass sie sich nicht als Ratgeber begreifen, sondern als Lehr- und Experimentier-Werke im eigentlichen Sinne. Sie zeigen neue Wege auf, Literatur zu schaffen – ja, sie führen die Leserinnen und Leser daran, aus vermeintlich Alltäglichem Kunst werden zu lassen.

Aus kleinen Notiz-Schnipseln entstehen literarische Texte, Tagebucheintragungen können zu Miniaturen und Kurzgeschichten werden, und auch das Schreiben im Netz wird zu Belletristik.

Dabei haben die Bücher nichts Oberlehrerhaftes. Und auch zum Glück nichts Plattes, wie man es aus manch anderem Schreibratgeber kennt. Die jeweils 160 Seiten gehen in die Tiefe, zeigen viele Beispiele aus der Vergangenheit und Gegenwart. Sie gewähren Einblick in die Werke vieler Schriftstellerinnen und Schriftsteller, bekannte und unbekannte.

Die Übungen, die jedem Kapitel folgen, sind eher Denk- und Schreibanstöße als klassische Aufgaben. Sie laden zum Spielen mit Worten und Sätzen ein.

Gerade die gelungene Mischung aus Analyse und Anregungen, aus Theorie und Praxis, machen die Reihe auch für fortgeschrittene Schreiberinnen und Schreiber wertvoll. Mir haben die drei Bücher auf jeden Fall wunderbare Anregungen gegeben.

Wort-Gedichte – wunderbar!

Montag, 21. November 2011

Erst dachte ich: Mit dem Blogbeitrag bist du dieses Mal schnell fertig. Ich wollte einfach nur schreiben: Was für ein wunderbares Buch – mir fehlen die Worte. Punkt und Ende.

Aber das geht natürlich nicht. Das wäre viel zu wenig für den Super-Sammelband “Wo kommen die Worte her?” Das Buch macht mich wirklich überwältigt ob der Fülle an Gedanken und Gedichten, die mich gleich in doppelter Weise ansprechen: zum einen, weil mich das Wesen der Worte interessiert – zum anderen, weil ich Lyrik liebe.

Über 200 Autoren und Illustratoren sind in dem über 260 Seiten starken Werk vertreten – von A wie Martin Auer bis Z wie Heinz J. Zechner. Darunter befinden sich auch einige meiner Lieblings-Poeten. Direkt in meine Kindheit versetzt fühlte ich mich bei dem Beiträgen von Josef Guggenmoos, der mich in der 70er Jahren beim Lesenlernen beflügelte. Oder Erich Fried, der mich durchs Studium begleitete. Oder Nadia Budde, die erst nach mir geboren wurde und deren Sprachwitz in ihren Kinderbüchern ich liebe.

Genau diese Vielfalt macht den Reiz des dicken Wälzers aus: Da stehen Lyriker von heute neben Schriftstellern “von früher” – allen gemein ist, dass sie über ihre Worte, ihren Werdegang und ihre Wirkung sinnieren. Und zwar wiederum mit ihrem Handwerkszeug: der Sprache. Herausgeber Hans-Joachim Gelberg hat ein gutes Händchen bei der Auswahl der Texte bewiesen – übrigens gibt es 180 Originalbeiträge in dem Buch. Auch die Bildsprache ist ganz eigen und lebt von den unterschiedlichen Strichen der Künstlerinnen und Künstler, die sich beteiligt haben.

Der Untertitel des Buches lautet “Neue Gedichte – für Kinder und Erwachsene”. Und der passt: Erwachsene können genießen und reflektieren. Kinder bekommen einen bunten Zugang zur Welt der Lyrik. Ganz nebenbei erfahren sie ganz viel über unterschiedliche Lyrikformen. Da stehen Haikus ganz selbstverständlich neben visueller Lyrik oder einem kleinen reimenden Spruch in einer Comic-Sprechblase. Und Brecht nimmt neben Ringelnatz Platz. Außerdem darf gerätselt werden – verpackt in Reime, natürlich.

Dafür, dass ich zunächst sprachlos war, habe ich nun doch viele Worte um das Buch gemacht!

Hans-Joachim Beltz
Wo kommen die Worte her?
Neue Gedichte für Kinder und Erwachsene
Beltz & Gelberg 2011

Wie arbeiten Kinderbuchautoren?

Sonntag, 30. Oktober 2011

Als ich das Buch endlich in den Händen hielt, wusste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte zu lesen. Die Rede ist von dem über 240 Seiten starken Sammelband “Wie der Löwe ins Kinderbuch flog”. Dahinter verbergen sich “Geheimnisse erfolgreicher Kinder- und Jugendbuchautoren”. Von A wie Isabel Abedi bis Z wie Zora öffnen über 90 erfolgreiche Autorinnen und Autoren sowie Illustratorinnen und Illustratoren die Türen ihrer Schreibstuben. Und das ist sowohl für Kinderbuchliebhaber als auch für Schreibende äußerst spannend.

Für ihre Arbeit, all die Schriftsteller und Illustratoren dazu zu bewegen, einen Beitrag zu schicken, haben die beiden Herausgeberinnen Antje Szillat und Heidemarie Brosche mehr als ein Fleißkärtchen verdient. Flüsterten sie zunächst noch hinter vorgehaltener Hand “Dieses Buch schreibt sich von selbst”, hat sie die Herausgeberinnen-Realität eines Besseren belehrt. Zum Glück sind die beiden dran geblieben, trotz des Stresses.

Sonst hätten wir nie erfahren, dass Sybille Hein so vergesslich ist, dass ihr eine Schreibblockade irgendwann einfach entfällt oder dass Gina Mayer einen Zweifelzwerg kennt, der sich immer auf ihre Schulter setzt und ihr ins Ohr ruft “Alles Müll, alles die gleiche Scheiße wie im vorherigen Buch.” Oder dass Angela Sommer-Bodenburg eigentlich schon immer Schriftstellerin werden wollte – doch da ihre Umgebung immer reichlich mitleidig reagiert hat, log sie fortan, sie wolle Lektorin werden.

Es sind gerade diese kleinen Anekdoten, die das Buch so lesenswert und unterhaltend machen – das wurde schon bei der Buchvorstellung auf der Frankfurter Buchmesse deutlich. Daneben erfährt man ganz viel vom normalen Arbeitsalltag der Kinderbuchmacher, von ihren Schreiborten, von ihrer Kindheit, von ersten Schreibversuchen.

Ach ja, ich habe das Buch nach dem ersten Durchblättern so gelesen: Erst bin ich in meine eigene Kindheit getaucht und habe die Texte von Autorinnen und Autoren gelesen, die mich an früher erinnern – beispielsweise Max Kruse, Otfried Preußler und Paul Maar. Danach fielen mir ganz viele Menschen ins Auge, die ich persönlich kenne – unter anderem aus meinem Netzwerk “Schreibwelt” (zum Beispiel Gina Mayer, Barbara Rose, Marliese Arold, Tina Zang oder Monika Felten). Anschließend habe ich mir Autorinnen und Autoren angeschaut, die ich  – abgesehen von denen, die ich schon genannt habe natürlich – noch besonders interessant finde: Karen-Susan Fessel, Dagmar Geisler, Ursula Mebs, Kirsten Boie … Tja, anschließend blieben noch an die 80 weitere: Ihre Geschichten bescherten mir noch ein paar inspirierende Abende!

Das Buch ist übrigens sehr ansprechend gestaltet, vor allem auch durch die Illustrationen von Yayo Kawamura, die sich im Buch auch vorstellt. Der Titelbild-Löwe ist ein echter Helme Heine!

Heidemarie Brosche / Antje Szillat (Hrsg.)
Wie der Löwe ins Kinderbuch flog
Edition Zweihorn
Neureichenau 2011
Die Schirmherrschaft hat die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur

James Krüss

Mittwoch, 28. September 2011

Mit fünf Jahren blätterte ich in meinem Lieblingsbuch “Henriette Bimmelbahn”. Sehr zur Verwunderung meiner Eltern zitierte ich jeden einzelnen Reim. “Ich kann lesen”, sagte ich stolz. Konnte ich natürlich nicht. Meine Mutter hatte mir das Bilderbuch von James Krüss so oft vorgelesen, dass ich es auswendig konnte. Das Buch – eine Auflage von 1973 – habe ich immer noch.

Inzwischen hat der Boje-Verlag (jetzt unter dem Dach von Bastei Lübbe) viele der Krüss-Klassiker neu aufgelegt. Ganz neu erschienen ist “Eine lustige Froschreise”. Vor ein paar Jahren kamen, zum Teil  in kleinem Format, unter anderem “Der blaue Autobus” und “Die ganz besonders nette Straßenbahn” in die Läden.

Gerade die Bücher, die Lisl Stich illustriert hat, sind mir besonders ans Herz gewachsen. Zugegeben: Die Zeichnungen sind wahrlich nicht besonders “modern”. Aber gerade deshalb versprühen sie so viel Charme – haben fast schon “Retro-Chic”. Detailverliebt, bunt und zu starkem Ausdruck bebildern sie die wunderbar gereimten Geschichten des Meisters.

Man merkt: Ich liebe James Krüss und danke Boje für die “Wiederbelebung”. Kaum ein anderer als Krüss hat es verstanden, Worte zu Klang und Bild werden zu lassen. Lautmalerei im besten Sinne. Wenn die eigensinnige Henriette ihre Tour übers Land macht – ganz wann und wie es ihr gefällt -, dann spürt man das Ruckeln beim Lesen förmlich.

Auch “Kinder von heute” mögen sie, die Reime. Die Bilderbücher von James Krüss sind eine ganz besondere Form der Sprachförderung. Und noch wichtiger: Sie machen so richtig Spaß.

Schreibspiele

Dienstag, 06. September 2011

“Die 50 besten Schreibspiele” – dahinter verbirgt sich eine Fundgrube an Spielen rund um Buchstaben und Schreiben. Manche Anregungen eignen sich schon für Vorschülerinnen und Vorschüler, andere für Schreibanfängerinnen und -anfänger.

Unterteilt ist das Büchlein in fünf Kategorien: Spiele mit Buchstaben, Spiele mit Wörtern, Spiele mit Sätzen, Spiele rund um Geschichten und Kunterbunte Schreibspiele. Darunter finden sich sowohl Klassiker wie Stadt-Land-Fluss oder die ABC-Geschichte als auch viele neue Ideen. Vor allem bei den Spielen für Kindergartenkinder hat die Autorin Birgit Ebbert viel Kreativität bewiesen, um in Gruppen für Buchstabenspaß zu sorgen.

Das Buch ist in der Reihe MiniSpielothek bei Don Bosco erschienen – eine tolle Reihe für Pädagogen und andere Interssierte, die Spiele zu bestimmten Themen für Kinder suchen. Ich freue mich schon, dass auch von mir in dieser Reihe im kommenden Jahr ein Buch erscheinen wird.

Birgit Ebbert
Die 50 besten Schreibspiele
Don Bosco 2011

Familien-Vielfalt

Mittwoch, 31. August 2011

Vater-Mutter-Kind: Dieses Modell hat in vielen Familien ausgedient. Als ich Kind war, schämte sich manch eine Mutter noch, dass sie sich hat scheiden lassen. Heute hat Familie viele Facetten.

Spätestens im Vorschulalter bekommen Kinder mit, dass der Vater der Freundin woanders wohnt. Oder dass der Freund eine andere Hautfarbe hat als die Eltern. Oder aber dass der Bruder der Freundin einen anderen Vater hat. Und wie kann es sein, dass zwei Frauen ein Baby haben? Wieso haben sie keinen Mann geheiratet?

Auf all diese Kinderfragen hat das Buch „Alles Familie“ eine Antwort. Autorin Alexandra Maxeiner und Illustratorin Anke Kuhl setzen die Vielfalt so rasant in Szene, dass einem fast schwindelig wird.

Mal mit einer dicken Prise Humor, mal melancholisch zeigen sie den Kindern, was Familie bedeuten kann: hier und anderswo, heute und früher. Die witzigen Comics untermalen nicht nur – sie geben dem Ganzen immer noch eine eigene Note. Auch Themen, die man eher selten in Bilderbüchern findet, kommen vor: Adoption, verstorbenes Elternteil, SOS-Kinderdorf, schlagende Eltern…

Was ich wunderbar finde: Ob es nun die Regenbogen- oder die Patchworkfamilie, ob es die Alleinerziehende oder das lesbische Paar ist – die Autorin begegnet allen mit Respekt und Wertschätzung.

Ein tolles Buch, das sich nicht nur wunderbar zum gemeinsamen Anschauen und Vorlesen eignet, sondern auch zum Selberlesen einlädt.

Übrigens: Das Buch ist in der Kategorie Bilderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 nominiert – völlig zurecht, wie ich finde.

Alexandra Maxeiner / Anke Kuhl
Alles Familie!
Klett Verlag, Leipzig 2010