Kladde

// Archiv für das Thema ‘Nachgedacht’

Didacta: Digitales Klassenzimmer?

Dienstag, 21. Februar 2012

“Print oder digital?” Diese Frage beschäftigt mich in diesem Jahr sehr. Soeben war ich auf der Bildungsmesse didacta, die in Hannover stattfand. Dort war Schule 3.0 ein großes Thema. Digitale Schulbücher, Whiteboards statt Tafeln, Tablets statt Hefte – das angebliche “Ende der Kreidezeit” wurde ziemlich hoch gehängt. Einzig die Lehrerinnen und Lehrer sind immer noch ohne Beamer oder Knopf zu bedienen, es sind keine Menschen mit Touchscreen, sondern sie sind nach wie vor zum Anfassen.

Und gerade mit ihnen steht und fällt auch der Einzug von digitalen Medien ins Klassenzimmer. Wie geschult sind sie? Wie sehr bestimmen sie die Technik und lassen sich nicht umgekehrt von der Technik bestimmen? Wie wählen sie die passenden Medien aus – und vor allem: Wie dosieren sie sie?

Medienkompetenz ist heutzutage natürlich eine Schlüsselkompetenz, daher können und dürfen sich Schulen auch den digitalen Medien nicht verschließen. Doch dass es bald eine “digitale Schule” gibt, wie uns manch ein Hersteller glauben machen will, sehe ich nicht. Und würde es auch nicht begrüßen.

Medienauswahl und sinnvoller Umgang mit Medien sind für mich die Schlagworte: Digitale Medien können gut ergänzen – Papier und Stift ablösen sollten sie nicht. Letztlich sind sie Werkzeuge, die den Unterricht nicht perse “kreativer” gestalten.

Ähnlich wie bei E-Books und gedruckten Büchern wird es auch hier das Nebeneinander sein, das sich durchsetzt – so zumindest meine Hoffnung. Sofern überhaupt die Mittel für digitale Medien da sein werden, sollten die Lehrerinnen die Vielfalt an Lernmöglichkeiten nutzen, die sich bieten.

Hier stellt sich natürlich auch die Frage nach der Didaktik: Digitale Medien sind kein Selbstläufer – sie brauchen eigene, neue Unterrichtskonzepte. Und geeignete Programme, Lernplattformen und Lerninhalte, die mediengerecht aufbereitet sind.

Eine Lehrerin erzählte mir, dass es an ihrer Schule in einigen Klassenräumen nur noch Whiteboards gebe, die Tafel sei abgehängt. Manche Lehrer schrieben nun gar nichts mehr an. So sollte es natürlich nicht enden!

Übrigens: Mein ganz persönlicher Eindruck war, dass Lehrerinnen und Lehrer durchaus auch noch Interesse an Gedrucktem haben. Die Messestände der Verlage mit Lehrwerken, Sammelmappen und Kopiervorlagen waren alle dicht umlagert.

Foto: Deutsche Messe Hannover

Das Gedruckte und ich

Dienstag, 14. Februar 2012

Lesen wir noch Gedrucktes? Das fragt sich Mike Schnoor in einem Blogbeitrag und ruft zur Blogparade auf. Seine Frage schließt sich nahtlos an meine Gedanken zum E-Reader an, die ich erst vor ein paar Tagen noch ein wenig weitergeführt habe.

Das  Thema, das Mike Schnoor angestoßen hat, beschäftigt mich sowohl beruflich, als Schreibende, als auch als begeisterte Leserin. Nun habe ich die 40 ja schon vor ein paar Jahren überschritten – kenne also noch Zeiten ohne Computer, ohne Tablet, ohne E-Reader. Meine ersten journalistischen Erfahrungen sammelte ich in der Lokalredaktion – dort gab es zwar schon ein redaktionseigenes Computerprogramm, doch die Seitenpläne wurden noch geklebt. Und die Zeitung galt damals neben Fernsehen und Hörfunk als Informationsmedium Nummer 1.

Wenn ich mir nun anschaue, wie ich die Medien nutze, hat sich seit den 90er-Jahren für mich schon viel verändert. Recherche hat sich ins Netz verlagert. Das klassische “Nachschlagen” erfolgt online.

Stichwort: Zeitungen

Ich lese noch Zeitungen, aber nicht mehr täglich. Lieber stelle ich mir, bevor ich mit der Arbeit beginne, meine “eigene Online-Zeitung” zusammen. Ich surfe zu verschiedenen Portalen von Zeitungen und Zeitschriften, durchforste Meldungen der Nachrichtenagenturen oder suche ganz gezielt nach Veröffentlichungen zu bestimmten aktuellen Themen. Artikel auf dem Laptop zu lesen, finde ich komfortabel – und mit der Vielfalt an täglichen Informationen, die mir das Internet bietet, kann ein Tageszeitungsabo nicht konkurrieren.

Stichwort: Zeitschriften

Bei Zeitschriften bin ich traditioneller: Die lese ich immer noch sehr gerne gedruckt. Ich habe immer noch einige Fachzeitschriften im Abo, die ich auch aufhebe. Obwohl ich – kurioserweise – nur selten nach dem ersten Lesen noch einmal darin recherchiere. Das mache ich dann bei Bedarf nämlich doch wieder online … Doch in Zeitschriften blättere ich gerne nach Feierabend, im Wohnzimmer. Zeitschriften lesen ist für mich Entspannung. E-Abos habe ich keine.

Stichwort: Bücher

Ich besitze ein riesiges Bücherregal voll mit Büchern, mit Fachbüchern und mit Literatur. Und im Keller stehen noch einige Kisten mit Kinder- und Jugendbüchern, die ich früher geliebt habe. Ich bin mit Büchern groß geworden. Meine Mutter hat mir sehr viel vorgelesen. Da man damals nicht so viele Bücher kaufen konnte – es war zu teuer – bin ich schon als kleines Kind in die Bücherei gegangen. In meiner kleinen früheren Heimatstadt gab es eine Kinderbücherei, Türmchen genannt. Für mich war das ein Turm der Glückseligkeit. Bücher auf zwei Etagen, eine echtes Schloss.

Ich hatte Deutsch- und Englisch-Leistungskurs, habe später ein sozial- und geisteswissenschaftliches Studium absolviert (noch ganz ohne Internet, übrigens). Lesen spielte überall eine große Rolle. Lesen, das hatte etwas mit Papier zu tun, mit einem bestimmten Geruch, mit Blättern.

Auch heute kaufe ich immer noch gedruckte Bücher, obwohl ich einen E-Reader habe. Den nutze ich, um Texte, die ich als pdf geschickt bekommen habe, komfortabel lesen zu können. Oder für Lektüre, die es nur als E-Book gibt. Gerne nehme ich den Reader mit in den Urlaub, da er platzsparend ist. Doch ansonsten, in meiner Freizeit, da mag ich es immer noch, richtig zu blättern und nicht wieder, wie schon den gesamten Tag, auf einen Bildschirm zu schauen. Und selbst bei Fachbüchern genieße ich es, sie nacheinander in die Hand zu nehmen, vor- und zurückzublättern, mir mit Haftis die wichtigsten Stellen zu markieren …

Und als Schreiberin?

Als Schreiberin hingegen haben mich die digitalen Medien längst erreicht. Habe ich früher immer gesagt: “Ich bin eine Frau, die Print liebt”, so wurde das Gedruckte längst um Online-Medien ergänzt. Gerade bei Schulmaterialien oder journalistischen Artikeln für Jugendliche setzen immer mehr Einrichtungen und Verlage auf die digitale Zukunft. Und das bietet sich auch an, denn die interaktiven Möglichkeiten sind eine Bereicherung. Doch auch hier: Digitale Medien haben das Gedruckte nicht abgelöst. Ich freue mich, dass meine Bücher zum Beispiel alle auch als Papierversion erschienen sind bzw. erscheinen.

Kurzum: Für mich als Leserin und als Schreiberin sehe ich, dass Print und Online- oder E-Medien nebeneinander existieren. Die neuen Möglichkeiten haben das Spektrum erweitert, lösen aber das Alte nicht ab.

Foto: Lupo  / pixelio.de

Unis mögen “Denglisch”?

Dienstag, 17. Januar 2012

Kerstin Hoffmann – im Netz ebenso bekannt als PR-Doktor – hat in ihrem Blog zu einer tollen Aktion samt Blogparade aufgerufen. Sie hat 2012 zum „Jahr der ungewöhnlichen Formulierung“ ernannt – und in vielen Blogs erscheinen nun entsprechende Artikel. Auch ich mache gerne mit!

Just, als ich ihre Ankündigung in meinem Netzwerk Textreff las, stolperte ich mal wieder über eine wunderbare Überschrift einer Pressemitteilung: Darin wirbt die Universität Hohenheim für ihre „Real Life Schüler-Uni“. Was sich dahinter verbirgt? Fragte ich mich auch. Tja, letztlich ging es um nichts anderes als einen Schnuppertag im Vorlesesaal. Warum dann „Real Life Schüler-Uni“? Gibt es noch eine andere Uni als eine „im echten Leben“? Vielleicht eine in der Phantasie?

Mir scheint, dass immer mehr Hochschulen glauben, nur mit englischen Begriffen könne man Schülerinnen und Schüler auf den Campus locken. Da gibt es den „Summer of Science an der Uni Stuttgart“ oder als winterliche Variante die „MINT Winter School an der RWTH Aachen“ sowie die Kinderuni mit „Science Camp“ an der Uni Halle-Wittenberg. Die TU Berlin fordert Frauen auf, in Naturwissenschaften und Technik zu schnuppern: „Try it!“ Oder – noch besser: Die Uni Lübeck ruft gar „Women Wildly Wanted“, die FH Erfurt fordert „Taste MINT“ und die Uni Saarland „Rent a Prof“.

Einmal grundsätzlich: Was soll eine Überschrift einer Presseinfo? Sie soll neugierig machen, klar. Aber: Sie soll auch nicht verwirren. Sie soll den Inhalt der Pressemittelung auf den Punkt bringen. Tun das die genannten Beispiele? Was können sich Eltern und Kinder/Jugendliche unter „Coast Line Camp(us)“ (Hochschule Bremerhaven) oder unter „OpenUniverCity“ (Hochschule Halle-Wittenberg) vorstellen? Nicht viel, oder? Allenfalls das Falsche …

Gerade, wenn es um Angebote für Schülerinnen und Schüler geht, wollen viele Universitäten locker daherkommen. Und setzen auf englische Begriffe. Weil Englisch so – um im Englischen zu bleiben – „cool“ klingt? Und weil das die Sprache „der Jugend“ ist?

Ob sich Schülerinnen und Schüler tatsächlich auf dem Schulhof so unterhalten: „Hey, walken wir durch die OpenUniverCity? Oder driven wir lieber nach Lübeck, da sind wir wildely wanted!“ I don’t believe it. Oder besser: Ich glaube kaum.

Gastbeitrag: Lernen für Anfänger

Samstag, 03. Dezember 2011

Der folgende Beitrag ist ein Gastbeitrag meiner Kollegin Nina Hundhausen – ich habe ihn beim Blogwichteln des tollen Netzwerks Texttreff gewonnen. Und ich freue mich sehr darüber!

Als Mutter scheine ich meine Sorgfaltspflicht ein wenig auf die leichte Schulter zu nehmen. Ich habe keine frühfördernden Bewegungs-, PEKiP- oder Babyschwimmkurse mit meinem 16-monatigen Sohn besucht. Ich erziehe ihn lediglich einsprachig und weiß auch noch nicht, auf welche Grundschule er später soll. Ganz anders ist da meine Bekannte Emel. In ihrem Krabbelkurs erkundigt sie sich regelmäßig danach, was sie kaufen kann, um ihre Tochter noch besser fördern zu können. Sie geht auch nicht auf Spielplätze, die sind ihr zu dreckig. Neulich erklärte sie mir, dass sie schon genau wisse, in welche Grundschule sie ihre Tochter schickt. Sie war auch schon vor dem ersten Geburtstag beim Zahnarzt und beim Augenarzt. All das habe ich nicht gemacht. Irgendwie hat mein Sohn es aber trotzdem geschafft, sich regelgerecht zu entwickeln. Er hat sitzen, krabbeln und laufen gelernt und er fängt jetzt an zu sprechen. Der Ehrgeiz, den er dabei manchmal entwickelt, ist erstaunlich. Auf Wikipedia lese ich:

„Die Fähigkeit zu lernen ist für Mensch und Tier eine Grundvoraussetzung dafür, sich den Gegebenheiten des Lebens und der Umwelt anpassen zu können, darin sinnvoll zu agieren und sie gegebenenfalls im eigenen Interesse zu verändern.“

Lernen ist also etwas, das wir erst einmal gar nicht lernen müssen. Wir können es einfach. Aber dann scheint wohl beim Älterwerden irgendetwas schief zu laufen. Denn plötzlich gibt es jede Menge Kinder mit Lernschwächen, pubertierende Teenager, die sich dem Lernen total verweigern und Erwachsene, die das Lernen auf einmal als richtig anstrengend empfinden. Kein Wunder also, dass Eltern wie Emel alles tun, damit das Kind rechtzeitig gefördert wird.

Unser Sohn erprobt gerade verschiedene Worte und Geräusche. Eine Wortschöpfung fanden wir besonders bemerkenswert. Er fing eines Tages damit an, nicht mehr nur mit Zeigen und Jammern nach dem Schnuller zu verlangen. Plötzlich hatte das Ding einen Namen: Njunju. Im Bekanntenkreis hieß der Schnuller auch schon mal „Nono“, „Nonno“ und „Noni“. Wochenlang fragte ich mich, woher bloß diese Bezeichnungen kommen und warum sie sich so ähneln. Vor allem fragte ich mich, warum diese Namen so gar nicht nach „Schnuller“ klingen. Die Kinder kennen „Schnuller“, „Nuckis“, „Nuckel“, oder hier in Köln auch schon mal „Nüggel“. Nichts davon klingt auch nur annähernd nach Njunju oder Nono.

Und dann wurde mir plötzlich klar, dass die Kinder die Mundbewegung nachmachen und die dazu passenden Laute entwickeln. Und wenn man das Nuckeln am Schnuller imitiert, kommt da mitunter ein Nono oder ein Njunju raus. Und wir Eltern nehmen das neue Wort begeistert auf.

So ähnlich sollen die Kinder in der Schule seit einigen Jahren auch Schreiben lernen. Sie bekommen eine Lautetabelle an die Hand und los geht’s. Richtig und falsch gibt es nicht. Stattdessen lernen die Kinder zu schreiben, wie sie es hören. Das hat den Vorteil, dass die Kinder ganz ohne Druck ans Schreiben kommen. Später soll dann ganz behutsam und mit Hilfe des Lesens ein Gefühl für richtig oder falsch entstehen. Das läuft aber leider mitunter schief. Deswegen haben wir jetzt plötzlich viel mehr Kinder mit Rechtschreibschwäche als früher. Und da erwische ich mich bei dem Gedanken, dass ich nicht möchte, dass mein Sohn eine Rechtschreibschwäche bekommt, weil er jetzt ohne Druck schreiben lernen soll. Ich möchte, dass mein Sohn die Rechtschreibung beherrscht, weil es Kinder mit Rechtschreibschwäche viel schwerer haben. Teilweise entscheidet das über die weiterführende Schule auf die sie gehen und damit vielleicht sogar über den Rest ihres Lebens. Und plötzlich fühle ich mich Emel viel näher …

Emel (sie ist übrigens Türkin) hat aber dann wieder für etwas Distanz gesorgt, als sie mir sagte, sie wolle nicht, dass ihre Tochter in die KiTa bei uns um die Ecke kommt. Da seien ihr zu viele Ausländer.

Nina Hundhausen ist freie Journalistin und Texterin und lebt mit ihrer Familie in Köln. Hauptsächlich arbeitet sie fürs Radio.
Und sie bloggt hier: ninakatarina.wordpress.com (Dogville)

Foto oben (Schnuller):
pixelio / A. Liebhart

Foto unten (Nina Hundhausen):
Andrea Erismann

Buchmesse und Buchhandel

Montag, 17. Oktober 2011

Die Blasen unter meinen Füßen sind noch nicht ganz wieder weg: Ich war auf der Frankfurter Buchmesse. Und das bedeutet: Laufen, Reden, Aufsaugen. Ich liebe Messen, sie sind mir eine wunderbare Inspirationsquelle. In diesem Jahr hatte ich viele Termine. Mit langjährigen Kundinnen und Kunden, mit Verlagen, mit denen ich vielleicht zusammenarbeite werde, mit Kolleginnen und Kollegen – manche von ihnen kannte ich bisher nur “virtuell” oder per Telefon. Die vielen Gespräche muss ich noch “sacken” lassen.

Nicht losgelassen hat mich die Bemerkung eines Programmleiter eines Fachverlags. Er meinte, sein Verlag überlege, ob sich ein Messebesuch in Frankfurt überhaupt noch lohne. Klar, er träfe sich gerne mit Autoren oder gucke sich auch gerne selbst um – aber dafür brauche er keinen eigenen Stand. Und gerade im Segment Fachbücher spiele der Buchhandel eine immer kleinere Rolle. Vielmehr seien die potenziellen Leserinnen und Leser, die daheim am Computer bei Online-Versendern bestellen, wichtig. Die erreiche man in Frankfurt aber höchstens an den Publikumstagen am Wochenende. Ansonsten seien Social Media und andere Vermarktungskanäle, die die Zielgruppe direkt erreichen, zielführender. Oder jene Messen, die direkt von den Leserinnen und Lesern besucht werden.

Sofort fühlte ich mich ertappt. Ich bemühe mich zwar, so oft es geht, den heimischen Buchhandel zu unterstützen. Vielleicht im Netz zu recherchieren und dann per Telefon beim Buchladen um die Ecke zu bestellen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Soll es ganz flink gehen, lasse ich mir den Titel von einem auf den nächsten Tag in den Postkasten bringen. Und – ja – manchmal bin ich sogar käuflich: Wenn mir ein großes Online-Buchgeschäft einen Gutschein mailt, dann will ich den auch nutzen. Auch wenn mich sofort beim Abschicken der Bestellung ein schlechtes Gewissen beschleicht …

Vielen Dank fürs Wachrütteln: Ich werde noch mehr als bisher die Buchgeschäfte vor Ort unterstützen. Versprochen! Und ich hoffe auf viele tolle Begegnungen im kommenden Jahr in Frankfurt – auch mit kleineren Verlagen. Denn erst das macht die Messe bunt!

Foto: Frankfurter Buchmesse/Alexander Heimann

E-Reader

Dienstag, 13. September 2011

Ich bin unter die E-Reader gegangen. Einst hätte ich es mir nicht vorstellen können, jemals auch nur eine Papierseite gegen einen Bildschirm zu tauschen. Dann war er da, der Wunsch: Ich will es auch mal probieren – auch inspiriert durch Kolleginnen wie Gitta Edelmann, die schon E-Books veröffentlicht haben (spannende Kurzkrimis übrigens).

Tja, und so habe ich mir also einen E-Book-Reader gekauft. Ich habe mich für den von Archos entschieden. Zum einen, weil er etwas mehr bietet (er hat tablet-ähnliche Möglichkeiten), zum anderen weil ich ihn recht günstig erstehen konnte. Und ich wollte keinen, der an irgendwelche Anbieter gebunden ist. Auf diesen kann ich mir aus vielen Shops E-Books herunterladen.

Er hat eine Hintergrundbeleuchtung, arbeitet also nicht mit E-Ink. Das mag zwar vielleicht nicht ganz so augenfreundlich sein, ich empfinde es aber gerade abends als vorteilhaft. Das Display habe ich mit einer Schutzfolie nochmals entspiegelt.

So ausgestattet, habe ich direkt geschaut, welche E-Books ich mir kaufen möchte. Viele E-Books kosten ebenso viel wie die gedruckten Exemplare. Da habe ich gemerkt: Wenn es keinen Preisvorteil gibt, möchte ich das Buch nach wie vor im Regal stehen haben. Da bin ich dann doch noch altmodisch.

Kurzum: Ich habe mir für den Start zwei Fachbücher gekauft – bei Fachbüchern finde ich die E-Version prima. Und dann noch einen aktuellen Roman, der als E-Book günstiger war als in der Papierfassung, und einige E-Books der Chichilli Agency, die sich auf E-Books und Mobile Books spezialisiert hat. Da gibt es Kurzkrimis schon für 99 Cent, Wahnsinn…

Meine Erfahrungen: Als ich den Reader zum ersten Mal nutzen wollte, war er entladen. Der Akku war wohl bei der Erstladung nicht ganz voll geworden. Prima… Abhängigkeit von Technik hat eben ihre Tücken… Also erst einmal wieder laden – und währenddessen in einer Zeitschrift blättern. Ganz herkömmlich.

Dann wollte ich mir die Fachbücher zu Gemüte führen. Eines war ganz gut zu lesen. Doch das andere war leider vom Verlag überhaupt nicht auf E-Reader optimiert worden. Einfach das normale Buch in pdf umgewandelt – fertig. Das Ergebnis: superkleine Buchstaben, kein ansteuerbares Inhaltsverzeichnis, kurzum nicht lesbar. Denn wer will schon bei jeder Zeile zur Seite scrollen. Und das, obwohl mein Reader einen 7 Zoll-Schirm hat (viele haben nur 5 und sind noch kleiner…) Ein echter Fehlkauf, leider. Da scheint der Verlag sich gedacht zu haben, ohne Aufwand noch einen schnellen Euro zu machen…

Gerne gelesen habe ich die Kurzkrimis der Agency – optimal aufbereitet und gerade lang (oder kurz) genug vorm Einschlafen. Dank der leichten Hintergrundbeleuchtung konnte ich trotz fehlender Leselampe gut lesen.

Den Roman habe ich noch nicht angefangen. Denn ich habe mir in den letzten Wochen dann doch ein paar Neuerscheinungen fürs Bücherregal gekauft. Aber: Ich bereue es nicht, dass ich jetzt einen E-Reader habe. Für unterwegs ist er ideal. Und ich verfolge gespannt, was sich auf dem Markt noch so tut – als Leserin und als Autorin.

Foto: bluefeeling / pixelio.de

Zeitschriften in Schulen

Donnerstag, 30. Juni 2011

Es gibt Kinder, von denen sieht man über Stunden nur noch einen Haarschopf. Dann nämlich, wenn sie hinter einem Buch verschwunden sind. Sie tauchen völlig in die Geschichte ein und sind kaum noch ansprechbar. Und dann gibt es Kinder, die würden nie freiwillig ein Buch anfassen.

Spannend ist die Frage, ob man solche Kinder mit anderen Print-Medien fesseln kann. Denn Lesen, das heißt nicht nur Bücher zu schmökern. Auch Comics, Zeitungen oder Magazine können den Spaß am Lesen fördern. Ob Zeitschriften die Lesemotivation steigern können, das hat die Stiftung Lesen mit Unterstützung des Verbands deutscher Zeitschriftenverleger und der Stiftung Presse-Grosso erforscht.

“Zeitschriftenlektüre und Diversität“ – so der Titel der wissenschaftlichen Untersuchung. Als Teil des Projektes “Zeitschriften in Schulen” sollten vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien erreicht werden. Das Ergebnis: Das Image, das Lesen bei vielen Schülerinnen und Schülern hatte, verbesserte sich durch die Zeitschriften. Lesen wurde plötzlich spannend.

Klaus-Dieter Wülfrath, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Presse-Grosso: „Besonders signifikant ist, dass  Lesen nicht mehr als sozial isolierende Tätigkeit empfunden wird, sondern als Gemeinschaft stiftend. Dann nämlich, wenn Lesestoff sich in Gesprächsstoff verwandelt und im Freundeskreis über Zeitschriften-Artikel diskutiert wird, merken Schüler, dass es ´cool´ ist, sich über gemeinsam interessierende Artikel und Bilder mit anderen auszutauschen.“

Das Wort “Diversität” im Namen der Studie soll auf die verschiedenen Milieus der Schülerinnen und Schüler hindeuten. Doch die so genannte “Bildungsferne von Familien” sei heterogener, als es die Medien häufig darstellen, so Dr. Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen. Befragt hat man vor allem Kinder, denen Lesevorbilder daheim fehlen und die schlechte Erfahrungen beim Lesen-Lernen gemacht haben.

Und was sagt uns die Studie? Unterricht mit Spiegel, Auto-Motor-Sport, Neon oder Bravo – statt mit klassischer Unterrichtslektüre? Warum nicht? Nicht nur, aber auch!

Weitere Infos: Lesen in Deutschland

Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

Vorlesen hilft

Samstag, 25. Juni 2011

Buchstaben in WellenVorlesen fördert viele Kompetenzen: Das Zuhören wird geschult, die Phantasie angeregt. Die Vorstellungskraft kommt auf Touren. Kinder lernen Satz- und Sprachstrukturen, ihr Wortschatz erweitert sich. Sie entwickeln ein Verständnis für Texte und Geschichten. Ein Grundstein fürs Lernen, Schreiben und Selberlesen ist gelegt.

Spannend ist, dass gemeinsames Vorlesen gerade auch Kindern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) hilft. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) empfiehlt: „Wechseln Sie sich beim Lesen von kurzen Textabschnitten ab und erlauben Sie Ihrem Kind ruhig, anfangs die Sätze für sich leise zu lesen. Üben Sie nicht länger als 15 Minuten täglich, denn Ihrem Kind geht möglicherweise schnell die Motivation verloren. Es liest nur mit größter Mühe. Loben Sie Ihr Kind, unabhängig vom Ergebnis, schon allein für seinen Einsatz.“

Zusammen laut zu lesen macht Spaß – und genau das kann auch den Druck des Übens nehmen. Denn Druck ist bei Schülerinnen und Schülern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten genau das Falsche. Die Kinder und Jugendlichen machen, obwohl sie sich bemühen und intellektuell fähig sind, mehr Fehler und lesen langsamer. LRS ist eine Wahrnehmungsstörung: Betroffene können gesprochene Worte nur schwer den Buchstaben zuordnen. Oft verwechseln sie ähnlich klingende Laute und ähnlich aussehende Buchstaben. Der Leidensdruck dieser Schülerinnen und Schüler ist hoch. Auch heute vermissen viele in den Schulen noch immer Unterstützung…

Foto: CFalk  / pixelio.de

Text-Feedback

Montag, 06. Juni 2011

Feedback von Kolleginnen und Kollegen zu eigenen Texten: Als ich noch angestellt in der Redaktion gearbeitet habe, war das völlig alltäglich. Hier ein gemeinsames Brainstorming, dort ein Gegenlesen – all das gehörte einfach dazu. Doch als Freiberuflerin gibt es bei kleineren Projekten nicht immer die Zeit und die Möglichkeit dazu. Und das ist schade. Denn wie Dr. Gerd Bräuer, Leiter des Schreibberater-Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg, zurecht beibringt: Frühzeitiges Feedback macht das Schreiben besser.

Ich habe soeben das Manuskript für meinen Ratgeber abgegeben. Nach meinen ersten eigenen Überarbeitungen am Bildschirm und am Papier habe ich Teile des Buches aus der Hand gegeben: an geschätzte Kolleginnen, mit der Bitte, mir ihren Leseeindruck zu schildern. Zurück bekommen habe ich ein großes Paket, voll mit Anregungen zum Lektorieren. Wunderbar! Denn selbst ist man für bestimmte stilistische oder logische Ungereimtheiten blind. Kennt man doch den eigenen Text in- und auswendig. (So habe ich zum Beispiel erfahren, dass “auch” anscheinend eines meiner Lieblingsworte ist…)

Kollegiales Feedback zu Texten ist sehr wertvoll – auch für künftige Schreibaufgaben. In meinen Seminaren versuche ich, die Teilnehmenden zu ermuntern, ihre Texte anderen Menschen anzuvertrauen. Für viele ist die Hürde, das zu tun, hoch. Doch ich konnte es jetzt wieder einmal am eigenen Text erfahren: Text-Feedback ist lehrreich. Das gilt übrigens  auch fürs Feedback-Geben. Und dass, wer nimmt, auch gibt, ist natürlich selbstverständlich.

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Umweltbildung

Montag, 11. April 2011

Über eine Million unterschiedliche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten kennen wir – und täglich entdecken Forscher neue. Schätzungen gehen davon aus, dass auf unserer Erde zwischen zehn und hundert Millionen Arten leben. Diese Vielfalt müssen wir schützen. Denn die Natur ist für den Menschen wichtig: Sie liefert Trinkwasser, Nahrung, Energie. Dessen sind wir uns oft nicht bewusst: Dadurch, dass wir immer mehr in die natürlichen Lebensräume eingreifen, sterben immer mehr Arten aus. Rund 17.000 sind bedroht, darunter jede vierte Säugetierart.

Die Biodiversität erhalten – so nennen es Fachleute. Wichtig ist, dass jeder und jede hilft, die Umwelt zu schützen. Vor allem müssen auch Jugendliche für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Jugendkongress „Jugend-Zukunft-Vielfalt“ , der im Mai in Osnabrück statt findet. Dort gibt es Workshops und Podiumsdiskussionen. Eine tolle Initiative des Bundesumweltministeriums, des Bundesamts für Naturschutz und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Umweltschutz Jugendlichen näher zu bringen, ist auch eine Aufgabe der Verbraucherzentrale. Als Autorin des Jugend-Online-Magazin checked4you liegt es mir am Herzen, gerade Themen rund um Umwelt und Klima aufzugreifen. So habe ich jüngst etliche Artikel rund um Nachhaltigkeit veröffentlicht: zum Beispiel zu Autos der Zukunft, zu grünem Strom, zur Öko-Bilanz von Computern oder zu Öko-Camping.

Foto: Deutsche Bundesstiftung Umwelt