Kladde

Archiv ‘Nachgedacht’

Didacta-Impressionen

Freitag, 22. Februar 2013

coarseIch mag Messen – vor allem die Didacta und die Buchmesse Frankfurt. Gerade habe ich einen Tag auf der Didacta in Köln hinter mir. Dass die schlechte Messeluft den Kopf dennoch freipusten kann, ist immer wieder verwunderlich. Ich bin voll mit Eindrücken und Ideen – und meine Füße sind dick vom vielen Laufen.

Didacta 2013 – das bleibt in Erinnerung:

  • Gespräche mit “meinen Verlagen” und vereinbarte Buchprojekte, auf die ich mich freue,
  • ein schönes Feedback zu meinen Büchern, die dort präsentiert wurden,
  • neue und alte Kontakte – manche Menschen, mit denen ich bisher nur per Telefon oder Mail Kontakte hatte, habe ich endlich gesehen,
  • meine lieben Kolleginnen, die ich zwischendurch immer wieder getroffen habe – Lichtblicke im Messetrubel,
  • anregender Austausch mit Verlagsmenschen und Projektverantwortlichen,
  • Stolpern über Stewardessen-Köfferchen, Trolleys und Hartschalen-Koffer (Was packen die Menschen da hinein? Bestimmt nicht die Wackel-Hocker, die viele schleppten, denn die sind selbst für die riesigen Urlaubskoffer zu groß …),
  • viele, viele Stände, die zeigen, dass das (Schul- und Lehr-)Buch lebt und dass die digitale Welt eine sinnvolle Ergänzung sein kann,
  • freundliche und entspannte Atmosphäre, obwohl es laut und voll war,
  • meine Musikentdeckung am Klett-Stand: “Eisbrenner” mit Brecht-Liedern, so wunderbar, dass ich mir direkt eine CD gegönnt habe,
  • etliche Buchkäufe – ich freue mich aufs Lesen,
  • eine Einladung in die Didacta-Lounge mit einem leckeren Fresh-for-fit-Cocktail (natürlich völlig ohne Alkohol),
  • Gebühr für die Jackenabgabe, die fast halb so teuer war wie die Knackwurst (lecker) und der Kartoffelsalat (zu viel Essig) sowie
  • eine Bahn mit 30 Minuten Verspätung, das Wort “Stellwerkprobleme” und ein defekter Fahrkartenautomat.

Und vor allem bleibt die Freude darüber, wie viele verschiedene Facetten Bildung haben kann – und wie viele Sinne Bildung anspricht.

Foto: Kölnmesse

Tschüss und hallo!

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Tschüss 2012! Du warst ein schnelles Jahr. Wie ein Pferd bist du davongaloppiert. Schon lange hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass die Tage, die Wochen und die Monate nur so an mir vorüberrennen.

Vielleicht liegt dieses Empfinden daran, dass alles um einen herum immer schneller zu werden scheint. Vielleicht aber auch daran, dass es ein wunderbar arbeitsreiches Jahr war. Neben meinen ganz normalen Aufträgen für Medien, für Schulbuchverlage, für Non-Profit-Einrichtungen war 2012 mein “Buch-Jahr”.

Erschienen ist im Januar mein Buch-Erstling: der Ratgeber zum Geschichten erfinden bei Herder. Im Frühling folgte der erste Band meiner Erstlese-Sachtexte bei Persen, und im Sommer kamen die beiden Bände Konfliktspiele und Warm-up-Spiele in der MiniSpielothek bei DonBosco heraus.

Außerdem habe ich einige Bücher geschrieben, die im kommenden Jahr erscheinen: zwei Bücher bei Herder, die für mich etwas Besonderes sind, weil sie auch literarische Texte von mir enthalten werden. Weiterhin ein zweiter Band mit Erstlese-Sachtexten und ein Band zum Kreativen Schreiben.

Auch sonst war es für mich eher ein Jahr der langen als der kurzen Texte: Ich habe für Kunden Buchkapitel geschrieben, mehrere Kinderzeitschriften, neue Langformate mit Bild und Text fürs Internet und lange Unterrichtsstrecken rund um Politik und Kommunikation.

Da es sich so allein am Schreibtisch nicht immer gut arbeitet, war mir auch in diesem Jahr der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen wichtig. Meine beiden Netzwerke “Texttreff” und “Schreibwelt” möchte ich da nicht mehr missen. Wir sehen uns bei Stammtischen, auf Messen und treffen uns regelmäßig virtuell. Außerdem bin ich froh über meine Autorinnengruppe “Clara Fontana” hier in Bochum, mit der ich auch einige Lesungen hatte, u.a. bei der “Langen Nacht der Bibliotheken” oder in der “Rotunde”.

Und natürlich freue ich mich auch über Sie und euch, liebe Blogleserinnen und -leser, die Sie/ihr immer mal wieder in meiner “Kladde” stöbert. Bis zum Jahresbeginn bleibt die “Kladde” geschlossen – doch dann fülle ich sie natürlich erneut.

Ich wünsche Ihnen und euch wunderbare Weihnachten mit ein wenig Entspannung und fürs neue Jahr alles Gute. Ich freue mich auf spannende Begegnungen, hier und anderswo. In diesem Sinne schon jetzt: Hallo 2013!

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Gastbeitrag: Flüchtige Notizen auf Tafeln und Tablets

Montag, 17. Dezember 2012

Weihnachtszeit – (Blog-)Wichtelzeit in meinem Netzwerk Texttreff. Ich habe einen besonders schönen Beitrag bekommen, von Ines Balcik. Ines ist Diplom-Fachsprachenexpertin, Lektorin und Redakteurin  und geht in ihrem Sprachblog den Worten auf der Spur. Außerdem hat sie verschiedene Bücher rund um Sprache und Rechtschreibung veröffentlicht.

Hier ihr Gastbeitrag:

Der Alphasmart war mir völlig unbekannt, bis ich Andreas Beitrag darüber und über Schreibgeräte allgemein las. Wenn man nicht gerade mit dem Alphasmart schreibt, braucht man neben dem Schreibgerät auch einen Träger für die Schrift, ein Schreibmedium – eine Kladde zum Beispiel.

Dieses Wort begegnete mir vor Jahrzehnten zum ersten Mal, als ich in Nordrhein-Westfalen aufs Gymnasium kam. Für mich fiel das Wort damals in dieselbe Kategorie geheimnisvoller fremder Wörter wie Tornister, kurz „Tonne“ – aus meiner Grundschulzeit in Baden-Württemberg kannte ich nur den Ranzen. Wer weiß, welche meiner schwäbischen Wörter meinen Mitschülern komisch vorkamen! Ich sollte mir also für ein Fach eine Kladde zulegen und lernte, dass damit ein dickes Schulheft gemeint war. Eine aktuelle Blitzumfrage unter meinen drei Kindern ergibt, dass in mittelhessischen Schulen Kladden ebenfalls unbekannt sind. Ist Kladde also nur ein nordrhein-westfälischer Regionalismus?

Weit gefehlt. Laut duden.de ist eine Kladde allgemein ein vorläufiger Entwurf oder ein Konzept, speziell bezeichnet das Wort ein Heft für einen ersten Entwurf oder ein Geschäftsbuch für vorläufige Eintragungen. Gewissermaßen eine Vorstufe zur Kladde ist der einzelne Schmier- oder Notizzettel. Das Notieren hat wiederum eine lange Tradition: Schon in der Antike benutzte man in mehreren Kulturen Tafeln aus verschiedenen Materialien, um darauf kurze Informationen festzuhalten.

In der Schule üben die Kinder das Schreiben längst nicht mehr auf Schiefertafeln. In meiner Grundschulzeit nutzten wir Kunststofftafeln, auf die nicht mit Kreide, sondern mit Aquarellstiften geschrieben wurde. Auf die Stifte war ich ebenso stolz wie auf mein rotes Schwammdöschen, mit dem ich misslungene Schreibversuche einfach wegwischen konnte –
Notizen auf Tafeln sind selten für die Ewigkeit gemacht.

Das Moment der Flüchtigkeit wird in den Zaubertafeln  auf die Spitze getrieben. Auch sie faszinierten mich schon in meiner Kindheit – und zu meiner Verblüffung gibt es sie noch heute in ihrer einfachsten Form und als „Dauerblock“ sogar in einer bürotauglichen Version.

Tafeln sind also wahre Dauerbrenner für alle, die gerne notieren. Nicht von ungefähr bedeutet Tablet so viel wie Notizblock, Schreibtafel. Die derzeit so beliebten Tablet-PCs schließen insofern den Kreis zum Alphasmart, als sie das dauerhafte Speichern von Notizen ermöglichen. Umgekehrt ist zum Beispiel das Boogie Board eine elektronische Form des vergänglichen Notizzettels.
Und dann gibt es, verdrehte Welt, jetzt sogar die nostalgische Kreidetafel im Tablet-PC-Look  als Geschenkidee für Weihnachten.

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de
Text: Ines Balcik

Schreibgeräte und Schreiborte

Montag, 12. November 2012

Womit schreibt ihr am liebsten?

Bei mir ist es ganz unterschiedlich und hängt vom Projekt ab. Sachtexte aller Art schreibe ich nur an meinem Laptop. Der hat seinen Namen eigentlich nicht verdient – denn er wurde noch nie vom Schreibtisch fortbewegt. An meinen Sachtexten arbeite ich ausschließlich im Büro.

Ideen notiere ich gerne mit einem Kuli auf Papier, meistens in Kladden. Darin mache ich auch Brainwritings zu Themen, an denen ich arbeite, u. Ä.

Literarische Texte schreibe ich ebenfalls oft mit der Hand – gerne auch im Café. Viele Rohfassungen sind handschriftlich entstanden, mit dem Stift fühle ich mich kreativer als vor der Tastatur. Bei längeren Geschichten kommen zumindest die Anfänge in die Kladde, weiter geht’s dann am Computer.

Oder aber ich nehme ein ganz wunderbares Gerät zur Hand: den Alphasmart. Den gibt es inzwischen leider gar nicht mehr in Deutschland. In der Tat mutet er ein wenig altertümlich an. Er sieht aus wie eine kleine Schreibmaschine mit einem Mini-Display. Er läuft mit Batterien (die ewig halten). Das Gerät braucht nicht hochgefahren zu werden, man schaltet es an, und es läuft. Es kann nicht viel – aber das sehr gut: Es erfasst Text. Punkt. Mit einem Kabel fließt der Text dann ins Schreibprogramm des Computers. Fertig.

Gerade dieses “Geradeaus-Schreiben” macht es für mich wahrscheinlich so attraktiv, immer wieder mit dem Alphasmart zu arbeiten. Ich konzentriere mich einzig und allein aufs Schreiben, was gut auf der Couch geht.

Die Redaktion aller Texte passiert dann wieder per Computer. Und da bin ich heilfroh ob der ganzen Möglichkeiten, die Textverarbeitungsprogramme so bieten …

Foto: Peter A / pixelio.de

Fundstücke erzählen Geschichten

Donnerstag, 16. August 2012

Zwei Wochen an der Ostsee liegen hinter mir. Und wie wahrscheinlich jeder Urlauber am Meer habe ich auch nach Muscheln gesucht – wobei man an der Ostsee weniger Muscheln als schöne Steine findet. “Glitzersteine”, wie Kinder sie nennen, die in der Sonne funkeln. Steine, die das Meer herangespült hat. Steine, die eine Biografie haben.

Jedes Fundstück hat seine eigene Geschichte! Daher kann man mit Fundstücken wunderbar Geschichten erfinden. Vor allem auch draußen, bei schönem Wetter. Lassen wir doch einmal eine Muschel auf einen Stein treffen: Was haben die beiden erlebt, als sie unter Wasser waren? Wäre der Stein vielleicht gerne so leicht wie die Muschel, weil er dann nicht am Meeresgrund liegen müsste? Wie ist die Welt dort unten?

Kinder gehen oft noch einen Schritt weiter: Für sie ist ein Stein nicht nur ein Stein. Sie sehen in dem einen Stein einen Zwerg und in dem anderen einen Zauberhund. Und schon haben sie zwei Hauptfiguren für eine Geschichte, die sogar gespielt werden kann.

Fundstücke aus der Natur regen die Phantasie an. Das funktioniert natürlich nicht nur am Meer. Auch im Wald, im Park und sogar in der Stadt findet man viele Sachen, die flugs Hauptfiguren einer Geschichte werden können. Draußen Geschichten zu erfinden, ist mein Spieltipp für den verspäteten Sommer.

In der August-Ausgabe der Zeitschrift “spielen & lernen” ist ein Artikel von mir erschienen mit vielen weiteren Impulse zum Geschichtenerfinden: vor allem für schönes Wetter, aber auch für Regentage. Und auch in meinem Ratgeber “Und was passiert dann? Geschichten erfinden mit Kindern” finden sich etliche Anregungen, die sich gut im Freien umsetzen lassen.

Foto: Andrea Behnke

Interview: Schüchtern in der Schule

Montag, 16. Juli 2012

Meine Kollegin Birgit Ebbert hat gerade einen Kinderroman bei Arena veröffentlicht: “Miekes genialer Anti-Schüchternheitsplan”. Im Mittelpunkt steht ein Mädchen, das Angst hat, sich im Unterricht zu melden. Ich habe Birgit Ebbert interviewt: zum Roman und, da Birgit Ebbert Pädagogin ist, auch zum Thema “Mündliche Mitarbeit”.

Wie bist du auf die Idee zu deinem Roman rund um Mieke gekommen?

Birgit Ebbert: Mieke war auf einmal einfach da, bei einem Frühstück im Hotel. Plötzlich hatte ich die Idee und habe gleich das erste Kapitel geschrieben.

Wer sollte das Buch auf jeden Fall lesen?

Birgit Ebbert: Schülerinnen und Schüler, damit sie Mut bekommen, sich in der Schule zu melden und sehen, was sie anrichten können, wenn sie sich über ihre Mitschüler lustig machen. Aber auch Lehrerinnen und Lehrer, die durch unbedachte Bemerkungen manchmal mehr auslösen, als sie denken und wollen.

Du hast beruflich viel mit Schülerinnen und Schülern zu tun. Haben viele Probleme mit der mündlichen Mitarbeit im Unterricht?

Ja, viele Schülerinnen und Schüler trauen sich nicht, sich in der Schule zu melden.

Woran liegt das deiner Meinung nach?

Birgit Ebbert: Ich glaube, das liegt daran, dass die meisten schon früh lernen, dass Fehler schlecht sind und Angst haben, einen Fehler zu machen. Die Schule unterstützt dies leider oft, schon dadurch, dass für falsche Antworten oder Lösungen schlechte Noten gegeben werden. Ich denke, wir brauchten eine andere Fehlerkultur, damit Schüler mutiger werden.

Darf ich fragen, ob in dir als Schülerin auch „eine kleine Mieke“ steckte?

Birgit Ebbert: Oh ja, meine Mutter kam von jedem Elternsprechtag nach Hause und forderte mich auf, öfter aufzuzeigen. Ich hatte ein ähnliches Erlebnis wie Mieke und habe mich deshalb kaum gemeldet.

Im Buch hat Mieke ihren Weg gefunden. Was rätst du Kindern und Jugendlichen, die im Unterricht zu schüchtern sind. Hast du Tipps für sie?

Birgit Ebbert: Vor allem: Sprecht darüber und lasst euch helfen. Überlegt euch einen Plan wie Mieke und fangt mit kleinen Schritten an. Bezieht auch die Lehrer ein, die können euch Erfolgserlebnisse vermittelnd und Mut machen.

Danke für das Gespräch, liebe Birgit.

Und morgen gibt es die Rezension zu Birgits Buch!


Foto oben: C. Nöhren / pixelio.de

Foto Porträt B. Ebbert: privat

Beruflich neugierig

Dienstag, 10. Juli 2012

In einem Interview fragte mich Birgit Ebbert, ob ich all das, was ich in meinen Erstlesesachgeschichten geschrieben habe, gewusst hätte. Und ich musste ehrlich sagen: Nein, vieles habe ich recherchiert. Und als ich diese Antwort gab, wurde mir klar, dass es genau das ist, was mich immer noch antreibt: die Neugier. Ich recherchiere gerne.

Erinnere mich noch an Recherchen, als ich im Lokaljournalismus gearbeitet habe. Das war Anfang / Mitte der neunziger Jahre. Damals gab es noch kein Internet. Ich recherchierte noch “zu Fuß”: Das heißt, ich ging in die Bücherei, forderte per Telefon Dokumente an, die dann als Fax eintrudelten und sprach tatsächlich mehr mit Menschen als heute, wo das Internet (fast) jede Antwort parat hat.

Heute arbeite ich viel in Fachgebieten, in denen ich zuhause bin. Dort recherchiere ich natürlich auch, weil die Welt in ständigem Wandel ist. Wissen ist heute ganz schnell Wissen von gestern. Da gehört Recherche zu meiner täglichen Arbeit.

Ja, das ist eine kleine Hommage an die Recherche: Ich will es wissen. Und ich recherchiere, um mir immer wieder neues Wissen anzueignen. Ich mag es, im Netz zu forschen – aber ich führe auch immer noch gerne Interviews. Danke, Birgit, für deine Frage in dem Interview. Sie hat mir genau das noch einmal vor Augen geführt.

Ach ja: Hätte ich nicht recherchiert für die Erstlesesachgeschichten, hätte ich keine neuen tierischen Freunde: die Fledermäuse nämlich. Denn über die habe ich so viel erfahren, dass sie mir besonders ans Herz gewachsen sind.

Foto: filorosso.eu – Manfred Gerber  / pixelio.de

Ich bin eine Lerche

Montag, 11. Juni 2012

Spätestens seit meiner Arbeit an meinem Erstleseband “Wenn es Nacht wird” mag ich Eulen ja ganz besonders. Aber, so leid es mir tut: Ich bin keine. Ich bin eine Lerche. Zumindest was meine innere Uhr angeht, habe ich mit den Nachttieren nicht viel gemein.

Kürzlich war ich auf einem Seminar. Dort gab es morgens immer Theorie und Übungen, und so zwischen halb zwölf und zwölf durften wir dann beginnen, an unseren eigenen Schreibprojekten zu arbeiten. Ging nicht. Das schob ich noch auf eine “schlechte Phase”. Jetzt stahl mir mein Zahnarzt mehrmals meine frühe Arbeitszeit, die eigentlich um acht beginnt. Und auch da: Als ich erst um halb elf ins Büro kam, hatte ich Startschwierigkeiten. Meine kreativste Zeit ist eben sofort morgens.

Am Vormittag kann ich gut konzipieren und schreiben. Am Nachmittag kann ich besser recherchieren zum Beispiel. Telefonate führen. Kleinere Texte schreiben. Oder Routineaufgaben erledigen (die ja auch gemacht werden müssen). Mit großen Schreib- (und Denk-)Projekten beginne ich hingegen besser direkt am Morgen.

Der Schlaf- und Wachrhythmus ist übrigens auch eine Wissenschaft, die Chronobiologie. Prof. Till Roenneberg von der Ludwig-Maximilians-Universität München weiß, dass jeder Mensch einen inneren Taktgeber hat. Manche Menschen werden schon um acht müde, stehen dafür aber schon um halb fünf wieder auf – andere sind noch nach Mitternacht hellwach. Davon abhängig ist wiederum die persönliche Leistungskurve.

Ich bin übrigens eine eher gemäßigte Lerche. Manch ein Vogel wird vor mir wach ;-)

Foto: Miroslav / pixelio.de

 

Interview: Langstrecken-Schreiben

Mittwoch, 09. Mai 2012

Ich war gerade auf einem Seminar mit dem Titel “Von kurz zu lang”. Die Frage, die dort alle Teilnehmerinnen beschäftigte: Wie komme ich über eine Kurzgeschichte hinaus? Eine, die damit gar keine Probleme hat, ist die Wiener Autorin und Journalistin Anni Bürkl. Ihre Spezialität sind nicht nur gute Krimis, sondern gute und lange Krimis. Ihr neuer Krimi rund um Berenike Roither (“Narrentanz”) hat immerhin 414 Seiten. Ich habe sie gefragt, wie man Schreib-Langstreckenläuferin wird.

Dein Krimi fällt durch drei Sachen auf: durch ein Cover, das neugierig macht, durch die ersten Seiten, die einen ins Buch ziehen – und durch sein Gewicht. Über 400 Seiten, wow! War der Krimi direkt so angelegt – oder hat er sich nach und nach entwickelt, so dass er so lang wurde?

Gewichtige Mörder offenbar … Ich fürchte, ich bin eine Lang-Schreiberin, auch die vorherigen Teile dieser Krimi-Serie waren nur wenig dünner. Und das Layout hat sich auch ein wenig geändert. Ja, ich denke, der Umfang war in etwa so angelegt. Aber einiges entwickelt sich immer während des Schreibens, so etwa die falschen Spuren. Ich liebe übrigens, einen Rohtext zu überarbeiten!

Verrätst du ein paar Tipps, wie du so ein großes Projekt handhabst, ohne den Überblick zu verlieren? Wie arbeitest du konkret, dass dir nicht die vielen Fäden entgleiten? 

Ich plane mittlerweile recht umfangreich. Am Anfang steht eine vage Idee, die ich in einem Arbeitsexposé entwickle. In dieser Phase ist alles erlaubt, ich schnappe dies und das auf. Viele werden das kennen, dass man plötzlich lauter Dinge mitbekommt, die zum eigenen Thema passen. (Was schlicht selektive Wahrnehmung ist.)

In einer zweiten Phase wird es konkret, Handlungsablauf, Wege der Aufklärung + Figuren entstehen. Ich mache einen Szenenplan (wobei der sich gegen Ende immer vager liest … und verändern kann). Ich spiele mit ersten Szenenentwürfen, suche nach der richtigen Stimmung, der dazu passenden Sprache.

Den Überblick behalte ich durch diese Planungsunterlagen. Was aber auch nicht immer eine Versicherung darstellt. Man kann schon mal den Überblick verlieren, gerade wenn man zum Beispiel tief in eine Szene oder eine Figur eintaucht. Aber im Grunde behalte ich den Überblick ganz gut – was auch Routine ist nach dem 4. Roman.

Wie wird man “Langstrecken-Schreiberin”?

Ja, wie wird man das? Ich glaube, man ist es. Einem liegt der Sprint, einer anderen der Marathon. Ich bin auch im Journalismus eher in der langen Form zuhause, weit mehr als in Kurzmeldungen. Das kann man trainieren, aber die Vorlieben bleiben.

Wenn jemand Lust hat, in die Langstrecke zu wechseln, wäre mein Tipp: Gut vorher planen, ein Zeitgefühl entwickeln, wie lange man an dem Buch schreiben wird – wie lange an einer Szene – und es dann auszuprobieren. Und nicht zu früh aufzugeben, sondern sich die Kräfte einzuteilen – ganz wie im Sport.

Danke für deine Einblicke!

Foto: Anni Bürkl (Autorenfoto)

Narrentanz

Der Krimi “Narrentanz” ist der dritte Fall rund um Berenike Roither. Ich bin mit diesem Buch eingestiegen – was auch gut geht. Berenike ist eine außergewöhnliche Ermittlerin: Sie hat einen Tee- und Literatursalon im Salzkammergut und stolpert immer wieder in ungewöhnliche Verbrechen. Hier beginnt es mit verschwundenen Katzen und endet mit männlichen Leichen. Über 400 spannende Seiten, bis die Morde aufgeklärt sind. Mir gefallen die Charaktere, die eigensinnig und gleichzeitig sympathisch derherkommen. Und ich möchte auf jeden Fall die ersten Bände lesen, um Berenike näher kennenzulernen. Erschienen ist das Buch bei Gmeiner.

Ausgeflogen

Montag, 23. April 2012

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich endlich in meiner Studienstadt Münster ein WG-Zimmer gefunden hatte. Ich war voller (Vor-)Freude – und sehr enttäuscht, dass meine Eltern diese so gar nicht teilten. Damals, mit knapp 19, habe ich das nicht verstanden: Es war doch so schwer, in Münster ein Zimmer zu finden – und meine Eltern freuten sich nicht mit mir …

Geredet haben sie nie darüber, aber heute glaube ich zu wissen, was damals in ihnen vorging: Der Mietvertrag war ein Zeichen dafür, dass die Tochter nun endgültig ihre eigenen Wege gehen wird. Wege, die Eltern zwar immer wieder kreuzen, aber bei denen sie nicht mehr jeden Pflasterstein kennen.

Genau an dem Punkt setzt das neue Buch von Felicitas Römer an. “Ausgeflogen” heißt es. Die Unterzeile “Wie Sie es sich im ‘leeren Nest’ wieder gemütlich machen” spricht Bände. Denn sind die Kinder noch im Haus, denken Eltern häufig: Wenn wir wieder mehr Zeit für uns haben, dann können wir uns wieder mehr um uns und unsere eigenen Dinge kümmern.

Doch so leicht ist das nicht. Denn wieder glücklich als Paar zu leben, muss man erst wieder üben. Und wenn sich dann die Rollen noch verschieben – wenn die eigenen Kinder selbst Eltern werden – setzt ein weiterer Lernprozess ein. Wie geht Oma- oder Opa-Sein eigentlich?

Die Familienberaterin zeigt, wie man sein Leben gestalten kann, wenn die Kinder flügge werden. Das fängt beim Umgang mit Konflikten mit seinen erwachsenen Kindern an und hört bei den Schwieger-Kindern, die plötzlich ein- und ausgehen, auf. Auch der Sonderfall “Nesthocker” spielt in dem Ratgeber eine Rolle. Reizvoll ist die Vielseitigkeit des Buches: Es gibt nicht nur Hintergrundinformationen, Checklisten und Tipps, sondern – und das macht es sehr authentisch – auch Interviews mit Vätern, Müttern und “großen Kindern”. Besonders mag ich den humorvollen Unterton, mit dem Felicitas Römer das Thema aufbereitet hat.