Kladde

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Didacta: Digitales Klassenzimmer?

Dienstag, 21. Februar 2012

“Print oder digital?” Diese Frage beschäftigt mich in diesem Jahr sehr. Soeben war ich auf der Bildungsmesse didacta, die in Hannover stattfand. Dort war Schule 3.0 ein großes Thema. Digitale Schulbücher, Whiteboards statt Tafeln, Tablets statt Hefte – das angebliche “Ende der Kreidezeit” wurde ziemlich hoch gehängt. Einzig die Lehrerinnen und Lehrer sind immer noch ohne Beamer oder Knopf zu bedienen, es sind keine Menschen mit Touchscreen, sondern sie sind nach wie vor zum Anfassen.

Und gerade mit ihnen steht und fällt auch der Einzug von digitalen Medien ins Klassenzimmer. Wie geschult sind sie? Wie sehr bestimmen sie die Technik und lassen sich nicht umgekehrt von der Technik bestimmen? Wie wählen sie die passenden Medien aus – und vor allem: Wie dosieren sie sie?

Medienkompetenz ist heutzutage natürlich eine Schlüsselkompetenz, daher können und dürfen sich Schulen auch den digitalen Medien nicht verschließen. Doch dass es bald eine “digitale Schule” gibt, wie uns manch ein Hersteller glauben machen will, sehe ich nicht. Und würde es auch nicht begrüßen.

Medienauswahl und sinnvoller Umgang mit Medien sind für mich die Schlagworte: Digitale Medien können gut ergänzen – Papier und Stift ablösen sollten sie nicht. Letztlich sind sie Werkzeuge, die den Unterricht nicht perse “kreativer” gestalten.

Ähnlich wie bei E-Books und gedruckten Büchern wird es auch hier das Nebeneinander sein, das sich durchsetzt – so zumindest meine Hoffnung. Sofern überhaupt die Mittel für digitale Medien da sein werden, sollten die Lehrerinnen die Vielfalt an Lernmöglichkeiten nutzen, die sich bieten.

Hier stellt sich natürlich auch die Frage nach der Didaktik: Digitale Medien sind kein Selbstläufer – sie brauchen eigene, neue Unterrichtskonzepte. Und geeignete Programme, Lernplattformen und Lerninhalte, die mediengerecht aufbereitet sind.

Eine Lehrerin erzählte mir, dass es an ihrer Schule in einigen Klassenräumen nur noch Whiteboards gebe, die Tafel sei abgehängt. Manche Lehrer schrieben nun gar nichts mehr an. So sollte es natürlich nicht enden!

Übrigens: Mein ganz persönlicher Eindruck war, dass Lehrerinnen und Lehrer durchaus auch noch Interesse an Gedrucktem haben. Die Messestände der Verlage mit Lehrwerken, Sammelmappen und Kopiervorlagen waren alle dicht umlagert.

Foto: Deutsche Messe Hannover

Das Gedruckte und ich

Dienstag, 14. Februar 2012

Lesen wir noch Gedrucktes? Das fragt sich Mike Schnoor in einem Blogbeitrag und ruft zur Blogparade auf. Seine Frage schließt sich nahtlos an meine Gedanken zum E-Reader an, die ich erst vor ein paar Tagen noch ein wenig weitergeführt habe.

Das  Thema, das Mike Schnoor angestoßen hat, beschäftigt mich sowohl beruflich, als Schreibende, als auch als begeisterte Leserin. Nun habe ich die 40 ja schon vor ein paar Jahren überschritten – kenne also noch Zeiten ohne Computer, ohne Tablet, ohne E-Reader. Meine ersten journalistischen Erfahrungen sammelte ich in der Lokalredaktion – dort gab es zwar schon ein redaktionseigenes Computerprogramm, doch die Seitenpläne wurden noch geklebt. Und die Zeitung galt damals neben Fernsehen und Hörfunk als Informationsmedium Nummer 1.

Wenn ich mir nun anschaue, wie ich die Medien nutze, hat sich seit den 90er-Jahren für mich schon viel verändert. Recherche hat sich ins Netz verlagert. Das klassische “Nachschlagen” erfolgt online.

Stichwort: Zeitungen

Ich lese noch Zeitungen, aber nicht mehr täglich. Lieber stelle ich mir, bevor ich mit der Arbeit beginne, meine “eigene Online-Zeitung” zusammen. Ich surfe zu verschiedenen Portalen von Zeitungen und Zeitschriften, durchforste Meldungen der Nachrichtenagenturen oder suche ganz gezielt nach Veröffentlichungen zu bestimmten aktuellen Themen. Artikel auf dem Laptop zu lesen, finde ich komfortabel – und mit der Vielfalt an täglichen Informationen, die mir das Internet bietet, kann ein Tageszeitungsabo nicht konkurrieren.

Stichwort: Zeitschriften

Bei Zeitschriften bin ich traditioneller: Die lese ich immer noch sehr gerne gedruckt. Ich habe immer noch einige Fachzeitschriften im Abo, die ich auch aufhebe. Obwohl ich – kurioserweise – nur selten nach dem ersten Lesen noch einmal darin recherchiere. Das mache ich dann bei Bedarf nämlich doch wieder online … Doch in Zeitschriften blättere ich gerne nach Feierabend, im Wohnzimmer. Zeitschriften lesen ist für mich Entspannung. E-Abos habe ich keine.

Stichwort: Bücher

Ich besitze ein riesiges Bücherregal voll mit Büchern, mit Fachbüchern und mit Literatur. Und im Keller stehen noch einige Kisten mit Kinder- und Jugendbüchern, die ich früher geliebt habe. Ich bin mit Büchern groß geworden. Meine Mutter hat mir sehr viel vorgelesen. Da man damals nicht so viele Bücher kaufen konnte – es war zu teuer – bin ich schon als kleines Kind in die Bücherei gegangen. In meiner kleinen früheren Heimatstadt gab es eine Kinderbücherei, Türmchen genannt. Für mich war das ein Turm der Glückseligkeit. Bücher auf zwei Etagen, eine echtes Schloss.

Ich hatte Deutsch- und Englisch-Leistungskurs, habe später ein sozial- und geisteswissenschaftliches Studium absolviert (noch ganz ohne Internet, übrigens). Lesen spielte überall eine große Rolle. Lesen, das hatte etwas mit Papier zu tun, mit einem bestimmten Geruch, mit Blättern.

Auch heute kaufe ich immer noch gedruckte Bücher, obwohl ich einen E-Reader habe. Den nutze ich, um Texte, die ich als pdf geschickt bekommen habe, komfortabel lesen zu können. Oder für Lektüre, die es nur als E-Book gibt. Gerne nehme ich den Reader mit in den Urlaub, da er platzsparend ist. Doch ansonsten, in meiner Freizeit, da mag ich es immer noch, richtig zu blättern und nicht wieder, wie schon den gesamten Tag, auf einen Bildschirm zu schauen. Und selbst bei Fachbüchern genieße ich es, sie nacheinander in die Hand zu nehmen, vor- und zurückzublättern, mir mit Haftis die wichtigsten Stellen zu markieren …

Und als Schreiberin?

Als Schreiberin hingegen haben mich die digitalen Medien längst erreicht. Habe ich früher immer gesagt: “Ich bin eine Frau, die Print liebt”, so wurde das Gedruckte längst um Online-Medien ergänzt. Gerade bei Schulmaterialien oder journalistischen Artikeln für Jugendliche setzen immer mehr Einrichtungen und Verlage auf die digitale Zukunft. Und das bietet sich auch an, denn die interaktiven Möglichkeiten sind eine Bereicherung. Doch auch hier: Digitale Medien haben das Gedruckte nicht abgelöst. Ich freue mich, dass meine Bücher zum Beispiel alle auch als Papierversion erschienen sind bzw. erscheinen.

Kurzum: Für mich als Leserin und als Schreiberin sehe ich, dass Print und Online- oder E-Medien nebeneinander existieren. Die neuen Möglichkeiten haben das Spektrum erweitert, lösen aber das Alte nicht ab.

Foto: Lupo  / pixelio.de

Auf einen Mord in Hagen

Montag, 13. Februar 2012

Nein, nein – die Überschrift steht nicht für eine Einladung ;-) Sie ist der Titel eines neuen E-Books mit drei Kurzkrimis von Birgit Ebbert, die – wie sollte es anders sein – seit einigen Jahren in Hagen lebt.

Mit Gerd Neubert hat sie einen wunderbaren Charakter erfunden: Der Mann ist kein Journalist, kein Privatdetektiv, kein Pfarrer … Er ist auch kein Profi-Ermittler – zumindest nicht mehr. Gerd Neubert war Polizist und lebt, nach privaten Schicksalsschlägen, auf den Straßen Hagens. Doch ebenso wie die Katze das Mausen nicht lässt, führt es den obdachlosen Ex-Polizisten immer wieder an Tatorte. Dort ermittelt er – an realen Schauplätzen in Hagen. Auch die Events – der Hagener Autosalon oder den “Tag der offenen Hinterhöfe” – gibt es tatsächlich.

Ich mag ihn, den Gerd Neubert. Den Ermittler mit Seele, mit Vergangenheit – und hoffentlich auch mit Zukunft. Denn die drei Kurzkrimis machen Lust auf mehr. Ich würde mich auf  eine Fortsetzung freuen – auf weitere Kurzkrimis, auf einen Kaffee mit dem E-Book-Reader in der Hand.

Apropos E-Book-Reader: Mein E-Reader ist nun ein halbes Jahr alt. Und ich muss gestehen: Manchmal liegt er verwaist in der Schublade, so lange, bis er sich entladen hat. Ich lese gerne Texte darauf, die ich als pdf bekomme – das ist angenehmer, als lange Stücke am Rechner zu lesen. Doch Literatur “verspeise” ich weiterhin gerne in Buchform. Auch, weil viele E-Books ebenso viel kosten wie die gedruckte Version. Umso mehr freue ich mich, dass es inzwischen auch reines E-Book-Futter gibt, das professionell verlegt wird – eben wie die Kurzkrimis von Birgit Ebbert, die von Chichili-Publishing sind. Dort werden die Manuskripte geprüft, nicht jede Idee wird verlegt.

E-Books mit Qualitätsanspruch – darauf legt Chichili wert. So war der erste Kurzkrimi des Dreierpacks von Birgit Ebbert – „Job ohne Aussicht“ – für den Agatha-Christie-Preis nominiert.

Birgit Ebbert
Auf einen Mord in Hagen
chichili agency 2012

Autobiografisches Schreiben

Samstag, 07. Januar 2012

Schreiben hat nicht immer etwas mit Veröffentlichen zu tun. Schreiben kann auch eine Methode sein, sich selbst auf die Spur zu kommen. Das kennen all diejenigen, die regelmäßig Tagebuch schreiben. Oder jeden Morgen eine Seite zu Papier bringen, als Ritual zum Beginn des Tages. Schreibend kann man reflektieren und verarbeiten – nicht selten findet man auch Auswege, wenn man gerade in einem Lebens-Labyrinth steckt.

In Deutschland ist Schreiben als Therapie noch nicht so weit verbreitet. In anderen Ländern hat die so genannte Poesietherapie größere Bedeutung als hierzulande. Aber man muss auch nicht so tief greifen: Jedes autobiografische Schreiben ist heilsam und setzt neue Kräfte frei. Das bekomme ich auch in meinen eigenen Schreibwerkstätten immer mit, wenn ich autobiografische Übungen anleite. Dabei kann Schreiben gleichermaßen Nähe und Distanz schaffen – beides kann kleine Wunder bewirken.

Es gibt einige Ratgeber zum therapeutischen Schreiben. Soeben ist ein neuer erschienen: “Die heilende Kraft des Schreibens”. Er ist aus der Feder von Altbekannten: Barbara Schulte, Barbara Schulte-Steinicke und Lutz von Werder. Die beiden Letztgenannten haben schon einige Bücher zu ähnlichen Themen veröffentlicht und unterrichten auch im Institut für Kreatives Schreiben in Berlin. Alle drei sind erfahrende Schreibgruppenleitungen und in der Aus- und Weiterbildung aktiv.

Diese Erfahrungen machen sie nun in einem Ratgeber für alle Interessierten zugänglich. Im Teil I gibt es einen Versuch, Schreibtherapie einzuordnen: zum einen in den psychologischen Kontext, zum anderen in einen schriftstellerischen – sehr interessant! Der Teil II besteht aus Übungen und Anregungen. Über allem steht der Dreischritt: Erinnern, wiederholen, durcharbeiten, der einst von Sigmund Freud entwickelt wurde.

Das Buch ist eine gute Anleitung für Einsteigerinnen und Einsteiger, sich dem autobiografischen Aufarbeiten schreibend zu nähern. Wer sich schon mehr mit kreativen Schreibmethoden beschäftigt hat, wird zumindest einige der Einstiegsübungen (zum Beispiel “Serielles Schreiben”, “Freewriting” oder “Clustering”) schon kennen. Doch lernt man die Methoden hier noch einmal mit einem neuen, spezielleren Fokus kennen. Systematisch aufbereitet, ist der Ratgeber ein guter Leitfaden.

Kurzum: Wer daheim mit dem Stift auf den Pfaden des Lebens wandeln möchte, wird hier auf jeden Fall fündig!

Brigitte Schulte / Barbara Schulte-Steinicke / Lutz von Werder
Die heilende Schule des Schreibens
Patmos 2011