Schreiben hat nicht immer etwas mit Veröffentlichen zu tun. Schreiben kann auch eine Methode sein, sich selbst auf die Spur zu kommen. Das kennen all diejenigen, die regelmäßig Tagebuch schreiben. Oder jeden Morgen eine Seite zu Papier bringen, als Ritual zum Beginn des Tages. Schreibend kann man reflektieren und verarbeiten – nicht selten findet man auch Auswege, wenn man gerade in einem Lebens-Labyrinth steckt.
In Deutschland ist Schreiben als Therapie noch nicht so weit verbreitet. In anderen Ländern hat die so genannte Poesietherapie größere Bedeutung als hierzulande. Aber man muss auch nicht so tief greifen: Jedes autobiografische Schreiben ist heilsam und setzt neue Kräfte frei. Das bekomme ich auch in meinen eigenen Schreibwerkstätten immer mit, wenn ich autobiografische Übungen anleite. Dabei kann Schreiben gleichermaßen Nähe und Distanz schaffen – beides kann kleine Wunder bewirken.
Es gibt einige Ratgeber zum therapeutischen Schreiben. Soeben ist ein neuer erschienen: “Die heilende Kraft des Schreibens”. Er ist aus der Feder von Altbekannten: Barbara Schulte, Barbara Schulte-Steinicke und Lutz von Werder. Die beiden Letztgenannten haben schon einige Bücher zu ähnlichen Themen veröffentlicht und unterrichten auch im Institut für Kreatives Schreiben in Berlin. Alle drei sind erfahrende Schreibgruppenleitungen und in der Aus- und Weiterbildung aktiv.
Diese Erfahrungen machen sie nun in einem Ratgeber für alle Interessierten zugänglich. Im Teil I gibt es einen Versuch, Schreibtherapie einzuordnen: zum einen in den psychologischen Kontext, zum anderen in einen schriftstellerischen – sehr interessant! Der Teil II besteht aus Übungen und Anregungen. Über allem steht der Dreischritt: Erinnern, wiederholen, durcharbeiten, der einst von Sigmund Freud entwickelt wurde.
Das Buch ist eine gute Anleitung für Einsteigerinnen und Einsteiger, sich dem autobiografischen Aufarbeiten schreibend zu nähern. Wer sich schon mehr mit kreativen Schreibmethoden beschäftigt hat, wird zumindest einige der Einstiegsübungen (zum Beispiel “Serielles Schreiben”, “Freewriting” oder “Clustering”) schon kennen. Doch lernt man die Methoden hier noch einmal mit einem neuen, spezielleren Fokus kennen. Systematisch aufbereitet, ist der Ratgeber ein guter Leitfaden.
Kurzum: Wer daheim mit dem Stift auf den Pfaden des Lebens wandeln möchte, wird hier auf jeden Fall fündig!
Brigitte Schulte / Barbara Schulte-Steinicke / Lutz von Werder
Die heilende Schule des Schreibens
Patmos 2011
