Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich endlich in meiner Studienstadt Münster ein WG-Zimmer gefunden hatte. Ich war voller (Vor-)Freude – und sehr enttäuscht, dass meine Eltern diese so gar nicht teilten. Damals, mit knapp 19, habe ich das nicht verstanden: Es war doch so schwer, in Münster ein Zimmer zu finden – und meine Eltern freuten sich nicht mit mir …
Geredet haben sie nie darüber, aber heute glaube ich zu wissen, was damals in ihnen vorging: Der Mietvertrag war ein Zeichen dafür, dass die Tochter nun endgültig ihre eigenen Wege gehen wird. Wege, die Eltern zwar immer wieder kreuzen, aber bei denen sie nicht mehr jeden Pflasterstein kennen.
Genau an dem Punkt setzt das neue Buch von Felicitas Römer an. “Ausgeflogen” heißt es. Die Unterzeile “Wie Sie es sich im ‘leeren Nest’ wieder gemütlich machen” spricht Bände. Denn sind die Kinder noch im Haus, denken Eltern häufig: Wenn wir wieder mehr Zeit für uns haben, dann können wir uns wieder mehr um uns und unsere eigenen Dinge kümmern.
Doch so leicht ist das nicht. Denn wieder glücklich als Paar zu leben, muss man erst wieder üben. Und wenn sich dann die Rollen noch verschieben – wenn die eigenen Kinder selbst Eltern werden – setzt ein weiterer Lernprozess ein. Wie geht Oma- oder Opa-Sein eigentlich?
Die Familienberaterin zeigt, wie man sein Leben gestalten kann, wenn die Kinder flügge werden. Das fängt beim Umgang mit Konflikten mit seinen erwachsenen Kindern an und hört bei den Schwieger-Kindern, die plötzlich ein- und ausgehen, auf. Auch der Sonderfall “Nesthocker” spielt in dem Ratgeber eine Rolle. Reizvoll ist die Vielseitigkeit des Buches: Es gibt nicht nur Hintergrundinformationen, Checklisten und Tipps, sondern – und das macht es sehr authentisch – auch Interviews mit Vätern, Müttern und “großen Kindern”. Besonders mag ich den humorvollen Unterton, mit dem Felicitas Römer das Thema aufbereitet hat.
